
Laut öffentlich verfügbaren Daten kontrolliert die US-Regierung derzeit etwa 328.372 Bitcoin (BTC). Bei aktuellem Marktpreis von etwa 65.842 US-Dollar entspricht dies einem Gesamtreservewert von rund 21,6 Milliarden US-Dollar. Davon stammen etwa 94.643 BTC (etwa 30 % des Gesamtbestands) aus den zurückgeforderten Vermögenswerten des Bitfinex-Hacks von 2016, deren endgültige Zugehörigkeit noch vom Bundesgericht entschieden werden muss.

(Quelle: Bitcoin Treasuries)
Der im vergangenen Jahr von Präsident Trump unterzeichnete Erlass hat die strategische Bitcoin-Reserve der USA eingerichtet. Er weist das Finanzministerium an, die vom Staat gehaltenen BTC in ein spezielles Reservekonto zu überführen und verspricht, dass die USA diese nicht aktiv verkaufen werden. Allerdings enthält der Erlass eine wichtige Ausnahme: Vermögenswerte können auf Anordnung eines zuständigen Gerichts an identifizierte und überprüfbare Opfer von Straftaten zurückgegeben werden.
Diese Ausnahme betrifft direkt die 94.643 BTC, die aus den zurückgeforderten Mitteln des Bitfinex-Hacks stammen. Falls das Gericht entscheidet, eine physische Rückgabe zu erfolgen, würde die Reserve auf etwa 234.000 BTC sinken. Es ist wichtig zu betonen, dass es sich hierbei nicht um einen Verkauf durch die USA handelt – vielmehr um eine rechtlich geregelte Rückgabe an die Opfer, eine legitime gerichtliche Entschädigung und keine staatliche Asset-Liquidation.
Im August 2016 wurde die Kryptobörse Bitfinex Opfer eines Hacks, bei dem 119.754 BTC gestohlen wurden, was zu den größten Bitcoin-Diebstählen in der Geschichte der Kryptowährungen zählt. Im Februar 2022 wurden von US-Behörden etwa 94.643 BTC zurückgeholt. Im Januar 2025 beantragten Staatsanwälte beim Bundesgericht die Rückgabe in Form einer „physischen Entschädigung“ – also direkt in BTC, nicht durch Verkauf in Dollar.
Der Kernstreitpunkt dieses Falls ist die Frage, wer die Rückgabe erhalten soll:
Position von Bitfinex: Das Unternehmen hat nach dem Vorfall Verluste durch interne Verteilung ausgeglichen und Nutzer entschädigt. Es argumentiert, dass die wirtschaftlichen Verluste letztlich vom Unternehmen getragen wurden und daher das Unternehmen die BTC als Entschädigung erhalten sollte.
Position einzelner Nutzer: Einige Nutzer sind der Ansicht, dass die gestohlenen Vermögenswerte ihnen persönlich gehören und direkt entschädigt werden sollten.
Rechtlicher Status: Dritte, die Ansprüche auf die BTC erheben, können im Rahmen eines Hilfsprozesses Anträge stellen. Derzeit ist diese Frage ein zentraler Streitpunkt.
Solange das Gericht keine endgültige Entscheidung trifft oder die Parteien eine Einigung erzielen, befinden sich die etwa 94.643 BTC rechtlich gesehen in einem eingefrorenen Zustand. Sie sind weder Teil der endgültigen strategischen Reserve noch wurden sie vollständig an die Anspruchsberechtigten übertragen.
Das Plattform-Token UNUS SED LEO (LEO) von Bitfinex und seiner Muttergesellschaft iFinex fungiert derzeit als „Marktvertreter“ für das Ergebnis eines Gerichtsverfahrens. Bitfinex hat öffentlich erklärt, dass nach Rückführung der BTC innerhalb von 18 Monaten 80 % der Nettoerlöse für den Rückkauf und die Vernichtung von LEO verwendet werden sollen.
Vetle Lunde, Forschungsleiter bei K33 Research, schätzt anhand eines Modells, dass 80 % der Verteilung etwa 75.000 BTC entsprechen, was bei aktuellem Marktpreis rund 5 Milliarden US-Dollar wert ist. Zudem stützt sich die Rückkaufmechanik auf einen geschätzten Wert von 125 Millionen US-Dollar aus Handelsgewinnen.
Derzeit beträgt die Marktkapitalisierung von LEO etwa 8 Milliarden US-Dollar, das 24-Stunden-Handelsvolumen liegt jedoch nur bei 7,1 Millionen US-Dollar, was die Liquidität stark einschränkt. Lunde weist darauf hin, dass der Handelskurs von LEO im Vergleich zum fairen Wert um etwa 60 % überbewertet ist – das höchste Niveau seit Bekanntwerden des Falls 2022. Die stark konzentrierte Besitzstruktur könnte zudem dazu führen, dass wenige Akteure den Marktpreis erheblich verzerren.
Selbst wenn das Gericht Bitfinex eine Entschädigung zuspricht, würde die Verteilung von 75.000 BTC innerhalb von 18 Monaten erfolgen, was durchschnittlich nur etwa 139 BTC pro Tag bedeutet. Dies hat nur begrenzte Auswirkungen auf das Gesamtangebot des Marktes.
Derzeit ist dies keine endgültige Feststellung. Das Gericht hat noch keine abschließende Entscheidung im Bitfinex-Anspruchsverfahren getroffen. Die „Reduktion um 30 %“ beschreibt eine theoretische Anpassung der Reserve, falls die Rückgabe an Bitfinex oder Nutzer gerichtlich bestätigt wird. Das Executive Order erlaubt eine solche Rückführung im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, das endgültige Ergebnis hängt jedoch vom Fortgang des Gerichtsverfahrens ab.
Wenn die Rückgabe direkt in BTC erfolgt, wird die Entscheidung an den Empfänger (Bitfinex oder einzelne Nutzer) übertragen, anstatt durch eine staatliche Auktion. Sollte Bitfinex die BTC gemäß seinem Rückkauf- und Vernichtungsplan verwenden, wird die Marktliquidität schrittweise erhöht, anstatt die BTC in einem großen Zug zu verkaufen. Dies begrenzt die unmittelbaren Auswirkungen auf das Marktangebot, beeinflusst aber die Marktpsychologie.
Die 60 %-ige Überbewertung von LEO zeigt, dass der Markt die endgültige Entschädigung für Bitfinex vorzeitig einpreist, inklusive Erwartungen an zukünftige Rückkäufe und Vernichtungen. Die niedrige Handelsaktivität macht den Kurs jedoch anfällig für Manipulationen durch wenige Großinvestoren. Falls das Gericht eine Entscheidung trifft, die gegen Bitfinex ausgeht oder die Rückzahlungsmenge geringer ausfällt als erwartet, könnte die Überbewertung schnell zusammenbrechen.
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