
Branchenführer und Analysten wehren sich gegen die virale Behauptung, dass Bitcoin-Derivate die feste Obergrenze von 21 Millionen Coins obsolet gemacht hätten. Die Debatte, ausgelöst durch eine Marktanalyse, die auf X fast 5 Millionen Mal angesehen wurde, dreht sich darum, ob barabgewickelte Futures und ETFs die Knappheit verwässern, obwohl Experten betonen, dass diese Instrumente die Preisfindung beeinflussen, ohne neue Coins zu schaffen.
Eine kürzliche Analyse von Robert Kendall, Autor des „The Kendall Report“, argumentierte, dass die Bewertungslogik von Bitcoin auf einer festen Versorgung basiere, die mit der Einführung von barabgewickelten Futures und börsengehandelten Fonds (ETFs) effektiv beendet wurde. Der virale Beitrag suggerierte, dass diese Derivate eine „theoretisch unendliche“ Versorgung schaffen und somit die fundamentale Obergrenze von 21 Millionen durchbrechen.
Diese Interpretation wurde jedoch von digitalen Vermögensverwaltern und Forschungsexperten weitgehend abgelehnt. Das zentrale Gegenargument lautet: Während Derivate die Marktdynamik und kurzfristige Preisbildung beeinflussen, ändern sie nicht das zugrunde liegende Protokoll, das die Gesamtmenge an Bitcoin auf 21 Millionen begrenzt.
Harriet Browning, Vice President Sales bei der institutionellen Staking-Firma Twinstake, erklärte, dass institutionelle Zuweisungen via ETFs und digitale Vermögenswerte keine neuen Bitcoins schaffen. „Sie verwässern die Knappheit nicht, da es immer nur 21 Millionen geben wird“, sagte Browning. Sie fügte hinzu, dass solche Vehikel oft Bitcoin an langfristige Halter statt an Spekulanten vergeben.
Kritiker der „unendlichen Versorgung“-Theorie ziehen direkte Parallelen zu traditionellen Rohstoffen. Luke Nolan, Senior Research Associate bei CoinShares, wies darauf hin, dass Gold durch Futures und unzugeordnete Konten einen riesigen Papiermarkt unterstützt, der seine physische Versorgung übertrifft. „Papieransprüche ändern nicht die Menge an Gold im Boden, und die gleiche Logik gilt für Bitcoin“, erklärte Nolan.
Die Analogie erstreckt sich auf die Mechanik der Versorgung. Neues Bitcoin gelangt nur durch Mining-Belohnungen in den Umlauf, die alle vier Jahre algorithmisch halbiert werden. Bis Februar 2026 wurden etwa 19,99 Millionen BTC geschürft, wobei Analysten schätzen, dass bis zu 4 Millionen Coins dauerhaft verloren sind, weil Wallets unzugänglich sind. Das reduziert effektiv den verfügbaren Umlauf.
Während die Knappheitsargumentation abgelehnt wird, erkennen Branchenexperten eine bedeutende strukturelle Veränderung bei der Preisbildung von Bitcoin an. Derivate, vor allem an Börsen wie der Chicago Mercantile Exchange (CME), sind zu den Hauptarenen für institutionelle Beteiligung und kurzfristige Preisfindung geworden.
Browning skizzierte drei Hauptwege, wie Derivate die Spotpreise beeinflussen:
Analysten stellen fest, dass das Volumen an Derivaten inzwischen häufig das Spotvolumen übertrifft, da Institutionen diese Instrumente wegen Kapital-Effizienz und Absicherung bevorzugen. Sie betonen jedoch, dass diese Aktivitäten eine Verhandlung des Preises auf einer unveränderten, überprüfbaren Versorgungsschranke darstellen.
Q: Schaffen Bitcoin-Futures oder ETFs neue Bitcoins?
A: Nein. Futures-Kontrakte und ETFs sind Finanzderivate, die den Bitcoin-Preis nachbilden. Sie schaffen keine neuen Coins. Die Obergrenze von 21 Millionen wird durch den Bitcoin-Code durchgesetzt, den Derivate nicht verändern können.
Q: Wenn Derivate die Versorgung nicht verändern, warum beeinflussen sie dann den Bitcoin-Preis?
A: Derivate beeinflussen die Preisfindung, indem sie großes Handelsvolumen und Spekulationen ermöglichen. Institutionelle Aktivitäten an Futures-Märkten können marginale Preisniveaus setzen, die dann durch Arbitrage und Hedging in den Spotmarkt übertragen werden, ohne die Gesamtzahl der existierenden Bitcoins zu verändern.
Q: Macht der große „Papier-Bitcoin“-Markt die Anlage weniger knapp?
A: Die meisten Branchenanalysten argumentieren, dass dies nicht der Fall ist. Sie vergleichen es mit Gold, das einen riesigen Papiermarkt hat, aber physisch knapp bleibt. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die tatsächliche Versorgung (begrenzt) ist, während die finanziellen Ansprüche darauf (ohne Begrenzung) geschaffen werden können.
Q: Wie ist der aktuelle Stand der geschürften Bitcoin-Versorgung?
A: Anfang 2026 sind etwa 19,99 Millionen BTC geschürft. Das „effektive Float“ zum Handel ist jedoch niedriger, da Millionen Coins dauerhaft verloren sind und institutionelle Bestände via ETFs und Treasuries einen erheblichen Teil der aktiven Versorgung aus dem Umlauf genommen haben.
Die virale Debatte hebt letztlich eine Entwicklung in der Marktstruktur von Bitcoin hervor, nicht eine Änderung seiner Geldpolitik. Sowohl Kendall als auch seine Kritiker kommen überein, dass Derivate heute eine zentrale Rolle bei der Preisbildung spielen. Die Branchenmeinung bleibt jedoch eindeutig: Kein Derivatevertrag, ETF oder strukturierte Produkt kann neue Bitcoins schaffen. Die 21-Millionen-Obergrenze wird durch die Konsensregeln der Blockchain durchgesetzt und ist eine überprüfbare Beschränkung, unabhängig von Marktaktivitäten.
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