
Pacific Investment Management Company (Pimco) erklärte am 12. Juni auf einer Pressekonferenz in New York, dass beim nächsten Treffen des Federal Open Market Committee (FOMC) nicht nur die Zinsentscheidung selbst im Mittelpunkt stehe, sondern auch, wie der neue Vorsitzende Kevin Warsh die Rahmenbedingungen für die geldpolitische Kommunikation in welcher Geschwindigkeit neu ausrichten werde. Warsh hatte bereits in einer Anhörung zur Senatsbestätigung im April ausdrücklich erklärt, er „glaube nicht an eine forward guidance“.
Warsh hat seine Position bestätigt: Anhörung gegen Forward Guidance
Laut den veröffentlichten Aufzeichnungen der Anhörung zur Senatsbestätigung im April sagte Warsh eindeutig: „Im Unterschied zu vielen meiner früheren und derzeitigen Kollegen glaube ich nicht an eine forward guidance.“ Das sei die direkte Grundlage für die erwartete Neuausrichtung der Markterwartungen in dieser Runde.
Richard Clarida erklärte auf der Pimco-Pressekonferenz: „Wenn man bis in die 80er zurückgeht, ist es verständlich, dass es beim Amtsantritt eines neuen Vorsitzenden der Federal Reserve eine Phase geben wird, die sich in Wochen oder Monaten bemisst, in der man versucht, das neue politische Rahmenwerk und die Art der Kommunikation zu verstehen.“ Er betonte, entscheidend sei, in welchem Umfang und über welchen Pfad Warsh seine persönlichen Vorstellungen in das Kommunikationssystem einbinden werde.
Zu den möglichen Anpassungen, die der Markt daraus ableitet, gehören: Verkürzung der Länge der FOMC-Erklärung; Abschaffung der Zins-„Dot-Plot“-Grafik; Senkung der Häufigkeit der Pressekonferenzen des Vorsitzenden. Clarida wies darauf hin, dass eine Umsetzung dieser Änderungen die Transparenz der Politik senken und interne Uneinigkeiten häufiger zutage treten lassen könnte, was wiederum die Marktvolatilität erhöhen dürfte.
Pimco-CIO Ivascyn: Bestätigung und Bewertung des Dot-Plot
Daniel Ivascyn sagte auf der Pressekonferenz, dass der von Ben Bernanke im Jahr 2012 eingeführte Zins-Dot-Plot in einem Umfeld mit Nullzinsen oder Niedrigzinsen einen höheren Referenzwert habe; bei den aktuellen Zinsniveaus sei seine Bedeutung deutlich zurückgegangen.
Er sagte: „Wenn der Federal-Funds-Zins auf einem relativ niedrigen Niveau liegt, ist die forward guidance ziemlich wichtig. Also ist es heute, aus Marktsicht, weniger wichtig, wenn man sich ansieht, wo der Federal-Funds-Zins aktuell steht.“ Ergänzend führte er aus, dass der Dot-Plot seinem Wesen nach individuelle Ansichten widerspiegele und mit Unsicherheit behaftet sei; deshalb müsse seine Bedeutung „deutlich abgewertet“ werden.
Ivascyn merkte zudem an, dass die Fähigkeit des Marktes zum eigenständigen Pricing zugenommen habe: Nach dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten sei die Rendite 2-jähriger US-Staatsanleihen, selbst ohne neue Signale der Federal Reserve, schnell von etwa 3,4% im Februar auf nahezu 4,20% gestiegen. Das zeige, dass die Markterwartungen bereits über eine schnelle Anpassungsfähigkeit verfügen.
Warnung bei der Renditekurve und reale Auswirkungen auf die Bilanz
Ivascyn gab eine konkrete Warnung bezüglich des Zinssenkungspfads aus. Er sagte: „Viele haben erkannt, dass das Senken des kurzfristigen Zinsniveaus jetzt nicht unbedingt bedeutet, dass sich die sehr wichtigen 5-Jahres- oder 10-Jahres-Zinsen in dieselbe Richtung bewegen.“ Er erklärte, dass bei Zinssenkungen in einer Phase hoher Unsicherheit die Renditen im langen Ende sogar nach oben gehen könnten, wodurch die Wirksamkeit der Politik geschwächt würde. Pimco sei der Ansicht, dass dies „kontraproduktiv“ wäre.
Zur Bilanz sagte Ivascyn: „Das ist ein Bereich, auf den wir sehr achten. Er kann Einfluss auf die Form der Renditekurve sowie die Performance von Instrumenten unterschiedlicher Laufzeiten haben.“ Er betonte, dass das Bilanz-Tool für die tatsächliche Wirkung auf den Markt wichtiger sei als Kommunikation oder Forward Guidance. Die Größe der Bilanz der Federal Reserve liege derzeit bei rund 6,7 Billionen US-Dollar und sei gegenüber dem Hoch von etwa 9 Billionen US-Dollar im Jahr 2022 bereits deutlich zurückgegangen; Warsh hatte den Prozess der Bilanzverkürzung zuvor mit dem Zinssenkungspfad verknüpft.
Häufige Fragen
Woher stammen die konkreten Aussagen von Warsh „Ich glaube nicht an eine forward guidance“?
Laut dem Artikel hatte Warsh bei der Anhörung zur Senatsbestätigung im April 2026 öffentlich erklärt: „Im Unterschied zu vielen meiner früheren und derzeitigen Kollegen glaube ich nicht an eine forward guidance.“ Das sei eine bestätigende Aussage, die bereits in das öffentliche Protokoll eingegangen sei und eine direkte Grundlage für die Anpassung des Kommunikationsrahmens der Markterwartungen bilde.
Warum hält Pimco die Bilanz für wichtiger als die Forward Guidance?
Laut den Aussagen von Ivascyn auf der Pimco-Pressekonferenz könne eine Bilanzanpassung die Form der Renditekurve sowie die Performance von Anleiheprodukten unterschiedlicher Laufzeiten direkt beeinflussen. Das sei ein Instrument auf der Ebene der praktischen Umsetzung der Politik, während die Forward Guidance nur eine Kommunikationsform sei. Die Bilanz der Federal Reserve beläuft sich derzeit auf etwa 6,7 Billionen US-Dollar; Warsh habe den Pfad der Bilanzverkürzung mit dem Pfad der Zinssenkungen verbunden, wodurch es zu einem der wichtigsten Beobachtungskriterien für den Markt werde.
Wie bewertet Pimco die Wirksamkeit von Zinssenkungen im aktuellen Umfeld?
Laut der Darstellung von Ivascyn gilt: In dem derzeitigen Umfeld mit einer sehr hohen Unsicherheit bei Inflation und Wachstumsperspektiven führt eine vorschnelle Senkung der kurzfristigen Zinsen nicht zwangsläufig zu einem gleichzeitigen Rückgang der Zinsen im mittleren und langen Laufzeitbereich; das lange Ende könnte sogar nach oben gehen, wodurch die Wirkung der Politik „ins Gegenteil“ verkehrt würde. Pimco ist deshalb der Ansicht, dass man derzeit nicht voreilig Zinssenkungen vornehmen sollte.