Das chinesische KI-Labor DeepSeek befindet sich Berichten zufolge in Gesprächen, um seine erste Finanzierungsrunde aufzunehmen – bei einer gemeldeten Bewertung von 45 Milliarden US-Dollar, wie TechCrunch berichtet. Diese Bewertung stellt einen deutlichen Anstieg dar gegenüber einer geschätzten Bewertung von 20 Milliarden US-Dollar nur wenige Wochen zuvor. Grund dafür ist die Aufmerksamkeit, die die KI-Modelle des Unternehmens auf sich gezogen haben, unter anderem wegen ihrer geringeren Trainingskosten. Gründer Liang Wenfeng kontrolliert nahezu 90% des Unternehmens.
Motivation für die Mittelbeschaffung und das Interesse von Investoren
DeepSeek habe sich entschieden, nach Kapital zu suchen, nachdem Wettbewerber versucht hatten, Forscher abzuwerben, indem sie Unternehmensanteile als Anreiz anboten. Der China Integrated Circuit Industry Investment Fund könnte die Finanzierungsrunde anführen, während Tencent und Alibaba Berichten zufolge ebenfalls Gespräche führen, um sich zu beteiligen.
Modellleistung und Preisgestaltung
DeepSeek zufolge erbringt das V4-Modell in Benchmark-Tests eine Leistung auf Augenhöhe mit den führenden Modellen von OpenAI und Anthropic. Der Wettbewerbsvorteil zeigt sich auch bei den Preisen: V4-Pro kostet 1,74 US-Dollar pro Million Input-Token, während V4-Flash rund 0,14 US-Dollar pro Million Input-Token kostet – deutlich unter der Preisgestaltung für vergleichbare US-Modelle.
Die niedrigere Kostenstruktur basiert auf der rechenoptimierten Architektur von DeepSeek. Dazu zählt ein Mixture-of-Experts-(MoE)-Design, bei dem nur ein Teil des Modells für jede Aufgabe aktiviert wird, wodurch der Rechenaufwand während der Inferenz sinkt. Laut DeepSeek nutzt V4-Pro 27% der Rechenleistung und 10% des Arbeitsspeichers, die für V3.2 benötigt werden.
Chinas Strategie der KI-Selbstständigkeit
Die Finanzierungsrunde von DeepSeek findet statt, während China versucht, eine stärker selbstständige KI-Infrastruktur aufzubauen – als Reaktion auf US-Exportkontrollen für fortschrittliche Chips. V4 ist das erste von DeepSeek entwickelte Modell, das für chinesische Chips wie die Ascend-Serie von Huawei abgestimmt ist. In dem technischen Bericht des Unternehmens heißt es jedoch, dass chinesische Chips zwar für die Inferenz eingesetzt werden, das Training möglicherweise weiterhin primär von Nvidia-Hardware abhängt.
DeepSeek veröffentlicht außerdem Open-Weight-Modelle – trainierte Parameter, die andere nutzen, feinjustieren und einsetzen können – und erweitert damit die KI-Entwicklung über die US-Dominanz hinaus. Diese Strategie setzt stärker auf algorithmische Effizienz statt auf exklusiven Zugang zur fortschrittlichsten US-Hardware. Dennoch bleibt Chinas KI-Vorstoß teilweise von Nvidia-Hardware abhängig.