Die Bank of Japan startet einen Regulierungs-Sandbox-Test zur Tokenisierung von Girokonten, fördert 24-Stunden-Abrechnungen und beteiligt sich am Agorá-Programm, um 2026 den digitalen Yen zu entscheiden.
Laut der Japanischen Wirtschaftszeitung (Nikkei) hielt Ueda Kazuo, Präsident der Bank of Japan (BOJ), gestern (3.3.) auf dem globalen Fintech-Gipfel FIN/SUM 2026 in Tokio eine Keynote mit dem Titel „Neue Finanzökosysteme und die Rolle der Zentralbank“. In seiner Rede erklärte Ueda offiziell, dass die BOJ ein neues „Regulierungs-Sandbox“-Experiment gestartet hat, um die Nutzung der Blockchain-Technologie bei der Abwicklung ihrer Zentralbankguthaben (d.h. der Reserven der Geschäftsbanken bei der BOJ) zu testen.
Der Kern dieses Plans besteht darin, die Zentralbankwährung in Form digitaler Token auf einer Blockchain darzustellen, um effizientere und umfassendere Abrechnungsverfahren zu erforschen. Ueda betonte, dass die Blockchain-Technologie vom theoretischen Forschungsstadium in die praktische Anwendung übergegangen ist, insbesondere vor dem Hintergrund des boomenden DeFi, intelligenter Verträge und der Tokenisierung von Vermögenswerten. Die BOJ muss sich aktiv an die durch programmierbare Währungen geprägte neue Finanzökologie anpassen. Im Rahmen des Experiments wird die BOJ externe Experten einladen, um die Verbindung zwischen Blockchain-Systemen und dem bestehenden Finanznetzwerk BOJ-NET zu untersuchen und die technische Genauigkeit bei Kernanwendungen wie grenzüberschreitenden und Wertpapier-Abrechnungen zu prüfen.
Der Hauptvorteil dieses Blockchain-Experiments liegt darin, die zeitlichen Grenzen der traditionellen Finanzinfrastruktur zu überwinden. Das derzeitige Abwicklungssystem der BOJ arbeitet nicht am Wochenende oder nachts. Mit Blockchain-Technologie kann eine 365-Tage-, 24-Stunden-Abwicklung für große Beträge ermöglicht werden, was die grenzüberschreitenden Überweisungen erheblich beschleunigt und die Kosten senkt.
Analysen zeigen, dass die Verarbeitung von Reserven auf der Blockchain bei extremem Marktdruck oder Finanzinstabilität das Risiko von „Gridlock“ (Kettenreaktionen durch verzögerte Abrechnungen) verringert. Zudem plant die BOJ, diese Technologie mit intelligenten Verträgen zu kombinieren, um automatische Abrechnungsmechanismen mit bedingter Auslösung zu entwickeln.
Besonders erwähnenswert ist, dass Ueda in seiner Rede auch die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor betonte, insbesondere im Hinblick auf die Stablecoin-Projekte der drei großen Finanzgruppen Mitsubishi UFJ, Sumitomo Mitsui und Mizuho. Es wird geprüft, wie die Tokenisierung der Zentralbankwährung mit von Privatunternehmen ausgegebenen Stablecoins interoperabel gestaltet werden kann. Diese öffentlich-privaten Kooperationen sollen die „Einheitlichkeit des Geldes (Singleness of Money)“ im digitalen Währungsumfeld sichern und die Stabilität sowie Liquidität des Finanzsystems gewährleisten.
Weiterführende Literatur
Japans drei Großbanken vereinen sich! Start des Stablecoin-Tests, Finanzministerium fördert die Ära digitaler Zahlungen
Die Blockchain-Experimente der BOJ beschränken sich nicht nur auf den Inlandsbereich, sondern sind auch aktiv an dem internationalen Gemeinschaftsexperiment „Project Agorá“ beteiligt, das vom BIS (Bank for International Settlements) und mehreren Zentralbanken gemeinsam initiiert wurde. Ziel ist es, auf Blockchain-Netzwerken eine tokenisierte Zentralbankeinlage zu schaffen, um die derzeitigen Probleme bei grenzüberschreitenden Zahlungen wie komplexe Verfahren, geringe Transparenz und hohe Kosten zu lösen.
Ueda betonte, dass die Kombination von Wholesale-CBDC mit tokenisierten Geschäftsbankeneinlagen die internationalen Abrechnungsprozesse erheblich vereinfachen und die Endgültigkeit der Abrechnung sichern kann.
Zudem plant die BOJ, Künstliche Intelligenz (KI) mit Blockchain zu verbinden, um die Transaktionsdaten auf der Blockchain durch KI-gestützte Analysen zu überwachen, das Risikomanagement zu verbessern und die Einhaltung von Anti-Geldwäsche- (AML) sowie Anti-Terror-Finanzierung- (CFT) Vorschriften zu stärken. Obwohl Blockchain die Automatisierung von Transaktionen erleichtert, warnte Ueda vor möglichen Programmierfehlern (Code Errors) in Smart Contracts, die die Finanzstabilität direkt bedrohen könnten. Daher wird die strenge technische Validierung in zukünftigen Experimenten als Voraussetzung für die praktische Umsetzung angesehen.
Neben der Förderung innovativer Wholesale-Abrechnungen läuft parallel die Pilotphase für die Retail-Form des digitalen Zentralbankgeldes (CBDC). Die BOJ begann 2021 mit der Erprobung eines digitalen Yen und startete 2023 die Pilotphase. Nach aktuellem Zeitplan wird die BOJ bis 2026 eine endgültige Entscheidung treffen, ob sie die Retail-Digitalwährung öffentlich ausgibt.
Obwohl das digitale Zahlungssystem in Japan bereits ausgereift ist und die Gesellschaft weiterhin Bargeld bevorzugt, sieht die BOJ die Rolle der Zentralbankwährung im digitalen Zeitalter als „Vertrauensanker“ (Anchor of Trust). Sie muss sich zu einer sicheren digitalen Asset-Form weiterentwickeln, um verschiedene Zahlungsmittel zu verbinden. Die japanische Regierung betrachtet Blockchain und Tokenisierung als zentrale Säulen der Wachstumsstrategie „New Capitalism 2025“ und passt die Regulierung tokenisierter Vermögenswerte durch die Financial Services Agency (FSA) an, um die digitale Finanzwelt zu fördern.
Die Blockchain-Experimente der BOJ zielen nicht nur auf Effizienzsteigerung ab, sondern sollen auch Japans Wettbewerbsfähigkeit im globalen CBDC-Wettlauf in der nächsten Generation der Finanzinfrastruktur sichern.
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