Ocean-Mining-Pool schürfte den ersten Block, der BIP-110 unterstützt, was eine seit Jahren schwelende ideologische Schlacht offiziell vom Forum in eine On-Chain-Showdown verwandelt.
Der Kern von BIP-110 ist einfach: Durch eine temporäre Soft Fork sollen die Speicherung von „nicht-finanziellen Daten“ auf der Bitcoin-Blockchain für etwa ein Jahr eingeschränkt werden. Mit anderen Worten, BIP-110 will Verhaltensweisen, bei denen Bitcoin-Blockraum für Bilder, Videos und NFT-Inschriften genutzt wird, auf Konsens-Ebene als Regelverstoß deklarieren.
Der Unterstützer ist Luke Dashjr, Maintainer von Bitcoin Knots und CTO von Ocean. Seit dem Ausbruch der Ordinals im Jahr 2023 bezeichnet Dashjr On-Chain-Inschriften als „Spam“, da sie die Kernfunktionalität von Bitcoin als Währungsinfrastruktur untergraben und die Betreiber von Vollknoten belasten. BIP-110 (ursprünglich BIP-444) ist eine institutionalisierten Versuch, diese Haltung durchzusetzen.
Die Gegenseite besteht aus den ältesten Entwicklern, großen Mining-Pools und den bekanntesten Sicherheitsinfrastrukturen.
Adam Back, CEO von Blockstream, warnt, dass eine Überprüfung von Transaktionstypen auf Konsens-Ebene das Vertrauen in Bitcoin schädigen und einen Präzedenzfall für „Diskriminierung“ schaffen könnte. Wang Chun, Mitgründer von F2Pool, vergleicht BIP-110 treffend mit einem Schutzschild für Kinder, das unnötigen Ballast auf alle ablädt. Jameson Lopp, Mitgründer von Casa, veröffentlichte einen langen Beitrag, in dem er BIP-110 als „reckless, irrational und zum Scheitern verurteilt“ bezeichnet.
Der Mechanismus zur Aktivierung von BIP-110 ist ebenfalls umstritten: Er benötigt nur 55 % der Hashrate. Zum Vergleich: Das SegWit-Upgrade 2017 erforderte 95 % Unterstützung.
Was bedeutet 55 %? Es bedeutet, dass fast die Hälfte der Miner diese Regeländerung möglicherweise ablehnt, aber dennoch gezwungen ist, sie zu akzeptieren. In der Bitcoin-Governance-Philosophie könnte dies zu einer Mehrheits-„Gewalt“ werden.
Noch problematischer ist die automatische Aktivierung: BIP-110 soll bei Blockhöhe 961.632 (ungefähr September 2026) unabhängig von der Unterstützung in Kraft treten. Lopp weist in seiner Analyse darauf hin, dass dieses Design das Risiko birgt, bestehende UTXOs zu „einfrieren“: Wenn bestimmte unspent outputs auf Scripts angewiesen sind, die jetzt als „ungültig“ gelten, könnten diese Gelder dauerhaft blockiert werden.
Wie hoch ist die tatsächliche Unterstützung? Laut öffentlich verfügbaren Daten liegt die Node-Unterstützung für BIP-110 bei weniger als 5 % (hauptsächlich von Bitcoin Knots Nutzern). Allerdings ist die Zahl der Bitcoin Knots Nodes seit Anfang 2025 um das Zehnfache gestiegen und hat einen Marktanteil von 22,49 %, während Bitcoin Core auf 77,39 % gefallen ist.
Obwohl Node-Zahl und Hashrate zwei unterschiedliche Dinge sind, ist dieser Trend dennoch bemerkenswert.
Wenn man die technischen Details weglässt, spiegelt der Streit um BIP-110 eine fundamentale, nie wirklich gelöste Differenz in der Bitcoin-Community wider: Soll der Blockraum von Bitcoin eine „knappe Währungsinfrastruktur“ sein oder eine „neutrale Datenschicht“?
Die erste Sichtweise argumentiert: Der Wert von Bitcoin basiert auf seiner Funktion als Währung, jede Nutzung, die davon abweicht, ist Ressourcenverschwendung und sollte auf Protokollebene eingeschränkt werden. Die zweite Sichtweise sagt: Der Wert von Bitcoin kommt seiner Neutralität und Zensurresistenz zugute, und sobald man beginnt, auf Konsens-Ebene „legitime Verwendungen“ zu definieren, öffnet man eine Tür, die nie wieder geschlossen werden kann.
Adam Back warnt genau davor: Heute könnten Bilder und Inschriften unter dem Deckmantel des Schutzes des Internets eingeschränkt werden, morgen könnten Datenschutz-Transaktionen, Coin-Mixing oder sogar Transaktionen mit bestimmten Adressen durch denselben Rahmen eingeschränkt werden. Sobald ein Präzedenzfall für Zensur geschaffen ist, bestimmt die Politik die Grenzen, nicht die Technik.
Aus Marktsicht ist auch das Timing dieser Debatte interessant: Die Ordinals- und Inschrift-Ökosysteme haben sich nach dem Hype 2023 wieder beruhigt, die On-Chain-Datenmenge sinkt, die Transaktionsgebühren sind längst nicht mehr so hoch wie Ende 2023. Mit anderen Worten: Das „Problem“, das BIP-110 zu lösen versucht, wird vom Markt selbst bereits gelöst.
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