Etherium-Mitbegründer und ConsenSys-CEO Joe Lubin hat erneut eine kontroverse Diskussion über die langfristige Sicherheit von Bitcoin ausgelöst. In einer Diskussion warnte er davor, dass Bitcoin in Zukunft ein existenzielles Problem haben könnte. Insbesondere erwähnte er die Idee des sogenannten Q-Tages – den Zeitpunkt, an dem Quantencomputer in der Lage sein werden, die moderne Kryptographie zu knacken. Obwohl Lubin betonte, dass diese Bedrohung nicht unmittelbar besteht, machte er deutlich, dass es falsch wäre, sie als verantwortungslos abzutun. Für ihn ist es verständlich, sich heute Sorgen zu machen und in Zukunft nicht zu handeln.
Bitcoin basiert ebenfalls auf der Kryptographie, die durch ECDSA zum Schutz von Wallets und Transaktionen bereitgestellt wird. Unter normalen Umständen ist dieses System sehr sicher. Allerdings bringen Quantencomputer eine neue Variable ins Spiel. Mit einem auf fortgeschrittenem Niveau entwickelten Quantencomputer wäre es theoretisch möglich, Shor’s Algorithmus zu verwenden, um private Schlüssel anhand öffentlicher Schlüssel abzuleiten. Falls dies geschieht, könnten Angreifer auf Bitcoin-Adressen mit enormem Wert zugreifen, weil diese Adressen unspent Coins umgeben. Folglich würde die grundlegende Sicherheitsannahme von Bitcoin seit seiner Einführung auf die Probe gestellt.
Dennoch ist der Stand der heutigen Technologie noch weit entfernt davon, eine unmittelbare Bedrohung darzustellen. Die weltweit fortschrittlichsten Quantenmaschinen verfügen derzeit über etwas mehr als 1.000 Qubits. Im Vergleich dazu wären Millionen stabiler, fehlerkorrigierter Qubits erforderlich, um die Verschlüsselung von Bitcoin zu knacken. Schätzungen, die mit den Erkenntnissen der NIST-Forschung übereinstimmen, deuten darauf hin, dass eine solche Fähigkeit noch 10 bis 20 Jahre entfernt sein könnte. Die Bedrohung ist daher theoretisch und keine reale Gefahr. Dennoch sagt Lubin, dass langfristige Systeme wie Bitcoin Jahrzehnte im Voraus planen sollten.
Die Reaktionen auf Lubins Aussagen sind heftig gespalten. Einerseits wird die Warnung von Kritikern als durch Ethereum induzierte Angst, Unsicherheit und Zweifel abgetan. Sie argumentieren, dass Bitcoin bereits die Fähigkeit gezeigt hat, sich durch Upgrades und Konsens zu verändern. Andererseits gibt es Entwickler und Forscher, die an die Vorbereitung glauben. Diese verweisen darauf, dass es bereits post-quantum Kryptographie gibt, wie lattice-basierte Signaturverfahren. Es ist erwähnenswert, dass Ethereum-Forscher an diesen Alternativen arbeiten. Der Unterschied in dieser Gegenüberstellung liegt in einer philosophischen Unterscheidung zwischen proaktiven und reaktiven Sicherheitsmodellen.
Es ist nicht nur ein Bitcoin-Problem. Jedes System, das auf klassischer Kryptographie basiert, hat die gleiche langfristige Anfälligkeit. Dennoch ist Bitcoin aufgrund seiner Größe das sichtbarste Ziel. Außerdem ist die Diskussion ein Indikator für einen breiteren Wandel in der Krypto-Branche. Die Diskussion um Sicherheit dreht sich nicht mehr nur um Hacks und Exploits. Stattdessen geht es zunehmend um Zukunftssicherheit gegen Technologien, die noch vollständig entwickelt werden müssen. Dieser Wandel könnte die Entwicklung von Protokollen in der gesamten Branche beeinflussen.
Joe Lubin sagt nicht, dass Bitcoin heute kaputt ist. Vielmehr fordert er den Markt auf, in die Zukunft zu blicken. Quantencomputing ist noch nicht in der Nähe, aber seine Folgen sind äußerst weitreichend. Es ist noch unklar, wie Bitcoin auf Post-Quantum-Resilienz umstellen wird oder wie es anderen Formen der Widerstandsfähigkeit standhalten wird. Was verständlich ist, ist, dass die Diskussion über den Q-Tag kein Randgedanke mehr ist. Sie wird in die langfristige Roadmap der Krypto-Entwicklung aufgenommen.
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