
Die US-Notenbank (Fed) wird am 17. Juni ihre Zinsentscheidung und die aktualisierten Quartalsprognosen im Rahmen des SEP (Summary of Economic Projections) veröffentlichen. Der Markt richtet den Fokus darauf, ob der neue Vorsitzende Kevin Warsh seine eigenen „Dot Plots“ (Zins-Punktdiagramme) als Prognose einreichen wird. Der US-Bank-Ökonom Aditya Bhave rechnet damit, dass Warsh keine Einreichung vornehmen wird; der Goldman-Ökonom David Mericle geht davon aus, dass er es nicht tun wird, ist sich jedoch nicht ganz sicher.
17. Juni FOMC-Context: Die institutionelle Rolle des Dot Plots
Der Dot Plot ist Teil des SEP und zeigt die Mediane der Erwartungen der FOMC-Mitglieder für den künftigen Zinsverlauf, das Quartal für Quartal veröffentlicht wird. Streng genommen ist das SEP kein offizielles Politikversprechen der Fed, sondern der Median einer Verteilung der Meinungen innerhalb des Gremiums. Neben dem Dot Plot enthält das SEP außerdem Prognosen für Arbeitslosenquote, Inflation und BIP.
Liz Ann Sonders, Chefin von Charles Schwab zur Investmentstrategie, bestätigte: „Das SEP wird manchmal zum Stimmungs- oder Kurs-Treiber für den Markt, aber seine Genauigkeit lässt sich bestenfalls als durchschnittlich beschreiben. Es ist jedoch eine Art, wie die Fed ihre Politikansichten zum Ausdruck bringt, und der Markt reagiert häufig auf diese Ansichten.“
Warshs Position: Erste Aussagen aus der Anhörung im April
In der Bestätigungsanhörung des US-Senats im April 2026 bestätigte Warsh, dass das SEP Teil eines Problems sei, das mit „Überkommunikation“ der Fed zusammenhänge; zudem verwies er auf die historischen Lehren aus der Fehlbewertung der Inflation in den Jahren 2021 bis 2022 als „vorübergehend“.
Sein Wortlaut in der Aufzeichnung lautet: „Die Fed sagt der ganzen Welt, wofür ihre Dot Plots stehen und welche Prognosen sie macht. Aber die Fed besteht auch aus Menschen. Danach werden sie dann auch darauf bestehen, dass diese Prognosen zu lange gelten.“ Er sagte, dies sei ein „wichtiger Wandel, den die Fed vollziehen muss“.
Bestätigte Einschätzungen mehrerer Analysten: Erwartung und Warnung vor Risiken
Im Folgenden die bestätigten Positionen namentlich genannter Analysten:
Bill English (Professor an der Yale University, früherer Leiter der geldpolitischen Geschäfte der Fed): „Nach meinem Eindruck ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er keine Zinsprognosen einreichen will. Möglicherweise gibt es in dem Gremium noch weitere Personen, die den Dot Plot ebenfalls nicht mögen, und sie wären vielleicht bereit, einen ähnlichen Ansatz zu verfolgen.“
Aditya Bhave (US-Bank-Ökonom): Erwartet, dass Warsh keine Zins-Punktprognosen einreichen wird (ohne konkretes Zitat)
David Mericle (Goldman-Sachs-Ökonom): „Wir gehen davon aus, dass er keine Zins-Punktprognosen einreichen wird, sind uns aber nicht vollständig sicher.“
Claudia Sahm (Chief Economist bei New Century Advisors): Warnte, dass Anleger bei einem Fehlen Warshs beim Dot Plot annehmen könnten, er wolle eine sich innerhalb des FOMC abzeichnende hawkische Kurswende verwässern; in ihrem bestätigten Forschungsbericht heißt es: „Eine Fed, die so wirkt, als würde sie interne Diskussionen verbergen, könnte als übermäßig nachsichtig gegenüber Inflationsrisiken wahrgenommen werden“.
Häufige Fragen
Gibt es in der Historie Präzedenzfälle, wenn Warsh den Dot Plot nicht einreicht?
Die Fed verwendet den Dot Plot seit der globalen Finanzkrise durchgehend rund 14 Jahre; in dieser Zeit reichten die jeweils amtierenden Vorsitzenden den Dot Plot stets ein. Wenn Warsh sich dagegen entscheidet, wäre das der erste Bruch nach etwa 14 Jahren, doch die konkrete Entscheidung lässt sich erst nach dem FOMC-Treffen am 17. Juni bestätigen.
Warum warnt Claudia Sahm davor, dass ein Ausbleiben des Dot Plots ein falsches Signal senden könnte?
Claudia Sahms bestätigte Einschätzung lautet: Wenn Warsh den Dot Plot nicht einreichen würde, könnte der Markt dies als Versuch interpretieren, die „hawkische Wende innerhalb des FOMC abzuschwächen“, statt als Reform der Politikkommunikation; eine Fed, die so wirkt, als würde sie interne Diskussionen verbergen, könnte als übermäßig nachsichtig gegenüber Inflationsrisiken wahrgenommen werden. Dies ist eine persönliche Analyse, die sie in ihrem Forschungsbericht bestätigt veröffentlichte.
Bei welchem Anlass hat Warsh SEP und den Dot Plot ausdrücklich kritisiert?
Warsh definierte das SEP in der Bestätigungsanhörung des US-Senats im April 2026 als Teil eines Problems der Überkommunikation der Fed und nannte die Fehlbewertung der Inflation in den Jahren 2021 bis 2022 als „vorübergehend“ als konkretes Beispiel. Die entsprechenden Aufzeichnungen der Bestätigungsanhörung sind öffentlich zugängliche Dokumente.