Schwedische Medien decken auf, dass Nutzer der Meta Ray-Ban Smartbrille private Bilder (von Toilettenszenen bis hin zu Nacktfotos) auf Bildschirmen in Kenia an externe Prüfer senden, während Verkäufer im Laden den Kunden versichern, „alle Daten bleiben lokal“.
(Vorheriger Kontext: Zuckerberg prophezeit das Ende des Smartphones! KI-Smartbrillen + Hologramme sind die Zukunft der Menschheit)
(Hintergrund: Ehemalige Meta-Manager enthüllen Zuckerberg’s Kollaboration mit China: Geheimwerkzeug für Facebook-Meinungszensur in Hongkong und Taiwan, sowie Verkauf von Facebook-Nutzerdaten)
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Laut einem gemeinsamen Bericht der schwedischen Zeitung Dagens Nyheter und Göteborgs-Posten senden Meta-Brillennutzer all deine Privatsphäre an Kenia!
Die Untersuchung zeigt: Wenn Nutzer die KI-Funktion der Meta Ray-Ban Smartbrille aktivieren (sei es, um Gegenstände zu erkennen, Menüs zu übersetzen oder Fragen zu beantworten), werden die aufgenommenen Bilder und Sprachdaten an Meta-Server in Schweden und Dänemark übertragen.
Diese Daten werden dann an Tausende von Outsourcing-Mitarbeitern bei Meta’s Partner Sama in Nairobi, Kenia, verteilt, die sie prüfen, markieren und klassifizieren, um KI-Modelle zu trainieren.
Ein kenianischer Prüfer sagte gegenüber den Reportern:
„Wir sehen alles — vom Wohnzimmer bis zum Nacktbild. Das sind echte Menschen wie wir.“
Sie sehen Inhalte wie: Szenen aus dem Badezimmer, Sexvideos, versehentlich aufgenommene Kreditkartennummern, private Gespräche und Aufnahmen von Erwachseneninhalten.
Meta’s System sollte eigentlich eine Sicherheitsfunktion enthalten: eine automatische Maskierungs-Algorithmus, der Gesichter und sensible Informationen verwischt. Doch die schwedische Untersuchung zeigt, dass dieses System häufig versagt. Prüfer können klare Einblicke in den Alltag in normalen Haushalten gewinnen, ohne dass die Betroffenen wissen, dass ihre Brille aufnimmt oder dass die Aufnahmen auf der anderen Seite der Welt auf einem Bildschirm landen.
Ironischerweise besteht auch eine große Diskrepanz bei den Verbrauchern. Reporter besuchten zehn Brillen-Filialen in Stockholm und Göteborg, hauptsächlich von Synsam und Synoptik. Auf die Frage nach Datenschutz versicherten Verkäufer: Nutzer hätten die volle Kontrolle, alle Daten blieben auf dem Smartphone in der App und würden nicht weitergeleitet.
Das steht jedoch im Widerspruch zur Realität.
Wenn man die Ray-Ban Meta-Brille mit KI-Funktion nutzt, werden die Daten durch Meta’s Infrastruktur verarbeitet; eine rein lokale Verarbeitung ist nicht möglich. Sprachaufnahmen werden standardmäßig bis zu einem Jahr in der Cloud gespeichert, um „das KI-System zu verbessern“, außer man löscht sie manuell. Mehrere Verkäufer gaben zu, dass sie nicht wissen, welche Daten die Brille tatsächlich überträgt.
Die schwedische Datenschutzbehörde (IMY) warnt: Diese Marketingstrategie verschleiert die tatsächlichen Datenschutzrisiken. Verbraucher haben keine Kenntnis vom Backend-Prozess. Meta’s Standardantwort lautet: Das Unternehmen hält sich an die Nutzungsbedingungen und die DSGVO, der Standort der Prüfer „beeinflusst die Compliance nicht, solange die Regeln eingehalten werden“.
Die schwedische Untersuchung offenbart die erste Ebene des Datenschutzproblems bei Meta’s Smartbrille: Man denkt, die Daten seien privat, doch in Wirklichkeit werden sie von Fremden geprüft. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Die zweite Ebene zeigt sich auf der anderen Seite des Atlantiks. US-Einwanderungs- und Grenzschutzbeamte (ICE) wurden dabei beobachtet, wie sie bei Einsätzen Meta Ray-Ban Brillen trugen, um in öffentlichen Räumen Fotos vermeintlich illegaler Einwanderer zu machen und diese mit Datenbanken und sozialen Medien abzugleichen. The Verge zitiert Insider, wonach dies kein Einzelfall ist, sondern eine sich ausweitende Praxis.
Ein Konsumenten-Gerät wird ohne Gerichtsbeschluss oder Durchsuchungsbefehl zur Überwachungswaffe des Staates.
Die dritte Ebene ist die gefährlichste: Im Februar 2023 veröffentlichte die New York Times interne Meta-Dokumente, die zeigen, dass Reality Labs an einer Echtzeit-Gesichtserkennung namens „Name Tag“ arbeitet: Wenn der Träger jemanden ansieht, kann die KI anhand von Meta-Daten den Namen, persönliche Infos und gemeinsame Freunde in Sekunden anzeigen. Ein strategischer Satz in den Dokumenten lautet:
„Wir werden diese Funktion in einem dynamischen politischen Umfeld einführen, in dem viele zivilgesellschaftliche Gruppen Ressourcen auf andere Themen konzentrieren.“
Kurz gesagt: Meta weiß, dass diese Funktion auf Widerstand stoßen wird, und plant, sie in Zeiten zu lancieren, in denen die Öffentlichkeit abgelenkt ist.
Diese drei Ebenen zusammen machen aus einer 299-Dollar-Sonnenbrille eine stille Daten- und Überwachungsmaschine: Sie sammelt KI-Trainingsdaten, dient als verdecktes Überwachungsinstrument für den Staat und ermöglicht Echtzeit-Identifikation – alles ohne Zustimmung der Menschen um den Träger herum.
Reaktionen auf systemischer Ebene sind bisher zögerlich. Das US-amerikanische Electronic Privacy Information Center (EPIC) hat die Federal Trade Commission (FTC) um eine Untersuchung gebeten. Doch angesichts der aktuellen politischen Lage ist die Durchsetzung fraglich. Die DSGVO in Europa schützt zwar die Daten, doch Meta’s Standardantwort ist „Wir sind konform“, während die tatsächlichen Datenflüsse und Versprechen eine große Lücke aufweisen, die durch die Feldbeobachtungen in zehn Geschäften in Schweden aufgedeckt wurde.
Am schnellsten reagierte ein schwedischer Soziologe: Yves Jeanrenaud, ein unabhängiger Entwickler, veröffentlichte Ende Februar die App „Nearby Glasses“. Diese scannt Bluetooth Low Energy (BLE)-Signale und warnt, wenn Meta- oder Snap-Brillen im Umkreis von 10 bis 15 Metern erkannt werden.
Jeanrenaud erklärt, sein Antrieb sei die „Massivität und Unmenschlichkeit“ der Missbräuche mit diesen Brillen. Es gebe Fälle, bei denen Kunden in Schönheitssalons gefilmt, in Gerichts- und Arztpraxen aufgenommen oder in öffentlichen Toiletten gefilmt werden — alles echte Fälle, keine hypothetischen Szenarien.
Zurück zur Grundfrage: Warum ist die Meta-Smartbrille eine Datenschutzkrise und kein bloßes Produktproblem? Weil sie das Grundprinzip des modernen Datenschutzes, das „Informieren – Zustimmung“ Modell, zerstört.
Traditionell gilt: Bevor ein Unternehmen deine Daten sammelt, muss es dich informieren und um Zustimmung bitten. Doch die Funktionsweise der Ray-Ban Meta-Brille lässt dieses Prinzip gleichzeitig in drei Richtungen kollabieren. Für den Träger: Verkäufer im Laden sagen, die Daten bleiben lokal, doch in Wirklichkeit fliegen sie nach Dänemark und Kenia.
Für die fotografierten Personen: Sie sind keine Meta-Nutzer, haben nie eine Zustimmung gegeben und wissen nicht, dass sie gefilmt werden.
Für die Prüfer in Nairobi: Sie sehen die intimsten Momente Fremder, und die psychischen Kosten dieser Arbeit tauchen nie in Meta’s ESG-Berichten auf.
Der Schutz der Privatsphäre hängt nie nur vom Gesetzestext ab, sondern davon, ob Unternehmen glauben, dass man sie zur Rechenschaft ziehen wird. Meta scheint das bereits kalkuliert zu haben: Es wird kaum jemand tun…