Der Krieg im Nahen Osten hat sich am Wochenende schnell verschärft, was die Finanzmärkte als Erste reagierten. Ökonomen weisen darauf hin, dass die größte Auswirkung des Krieges auf die globale Wirtschaft die Ölpreise sind. Sobald die iranische Versorgung unterbrochen wird oder der Hormus-Straßensengpass droht, steigen die Energiekosten insgesamt, was Importeure und fragile Volkswirtschaften belastet. Vor diesem Hintergrund gelten China, Europa und Indien, die stark von iranischem Rohöl abhängig sind, als die größten Verlierer.
Der Nahost-Konflikt breitet sich auf die Märkte aus: Risiken für kleine Volkswirtschaften steigen
Bloomberg berichtet, dass Investoren angesichts der Eskalation der geopolitischen Konflikte schnell in sichere Anlagen wie US-Dollar und Gold umschwenken, während die globalen Aktienmärkte fallen. CitiGroup warnt, dass die erste Welle der Marktschwankungen oft die Schwellenländer mit unzureichenden Devisenreserven trifft.
Das Institut weist darauf hin, dass Länder wie Argentinien, Sri Lanka, Pakistan und die Türkei Kapitalabflüsse und Währungsabwertungsdruck erleben könnten. Die türkische Zentralbank hat sogar eine 7-tägige Rückkaufpause für Anleihen ausgesetzt, um durch eine Straffung der Geldpolitik das Marktvertrauen zu stabilisieren.
(Nahost-Geopolitik treibt die Nachfrage nach sicheren Anlagen: Welche sind die defensiven Vermögenswerte?)
Ölpreise steigen zeitweise um 13 %, Iranische Versorgungssorgen im Fokus
Bloomberg-Ökonom Ziad Daoud und Dina Esfandiary sind der Meinung, dass die Kernwirkung des Krieges auf die globale Wirtschaft die Ölpreise betrifft. Die US-Öl-Futures (WTI) stiegen am Abend des 1. Tages um über 7 % auf 72 US-Dollar pro Barrel. Brent-Öl stieg zeitweise um 13 %, überschritt 82 US-Dollar pro Barrel und erreichte den höchsten Stand seit Januar 2025.
Sie erklären, dass Iran etwa 5 % der weltweiten Ölversorgung ausmacht. Bei einem vollständigen Lieferstopp könnten die Preise um weitere 20 % steigen. Zudem besteht die Sorge, dass rund 20 % des weltweiten Öls durch die Hormus-Straße transportiert werden. Bei einer Blockade könnten die Preise auf bis zu 108 US-Dollar pro Barrel steigen, was Druck auf die globale Inflation und das Wirtschaftswachstum ausübt.
Wer sind die Verlierer? China, Europa und Indien an vorderster Front
Daoud und Esfandiary warnen, dass bei anhaltendem Preisanstieg China, Europa und Indien als wichtigste Ölimporteure am stärksten belastet werden; Russland, Kanada und Norwegen könnten hingegen profitieren.
Analyst Rich Kelly von TD Securities gibt an, dass China etwa 99 % seiner iranischen Ölexporte importiert, was rund 13 % seiner 2025 geplanten Seefracht-Ölimporte ausmacht. Bei einer Unterbrechung der iranischen Versorgung würde China eine wichtige Quelle für günstiges Rohöl verlieren, was die Energiekosten erhöht und den Produktions- sowie Inflationsdruck verstärkt.
Von Venezuela bis Iran: Vor dem Trump-Xi-Gipfel ein Warnsignal
Auf der anderen Seite besteht politisches Risiko. Die militärischen Aktionen der USA in Zusammenarbeit mit Israel gegen den Iran haben starken Widerstand Chinas hervorgerufen. Außenminister Wang Yi erklärte am Sonntag: „Offen die Souveränität eines Staates zu töten und Regimewechsel durchzusetzen, ist inakzeptabel.“
Die Analyse der Liberty Times weist darauf hin, dass die jüngsten militärischen Aktionen vor dem Trump-Xi-Gipfel symbolisieren, dass die USA bereits wieder einmal die Strategie der „Chips-Diplomatie“ und Verbündeter gegenüber Peking getroffen haben. Gleichzeitig spiegelt es wider, dass Trump bei Fragen Taiwans und des Indo-Pazifik mehrere strategische Kernprobleme gleichzeitig angehen möchte.
Vor diesem Hintergrund wird die Entscheidung der Zentralbanken noch komplexer. Steigende Ölpreise erhöhen die Inflationserwartungen, doch die Unsicherheit im Krieg könnte die Nachfrage dämpfen. Kelly meint, dass die globale wirtschaftliche Unsicherheit wieder zunimmt. Die Zentralbanken werden kurzfristig wahrscheinlich abwarten, bis die Lage klarer ist, und dann ihre Politik anpassen.