Artikel: 葉楨
Quelle: 华尔街见闻
Bitcoin durchläuft derzeit einen strengen Stresstest für institutionelle Haltepositionen. Mit dem Unterschreiten wichtiger psychologischer Marken und dem Annähern an die Kostenlinie großer institutioneller Akteure wie Strategy steigt die Liquiditätsangst im Markt für hoch gehebelte Positionen rapide an.
Am Wochenende fiel Bitcoin erstmals unter die Marke von 80.000 USD und erreichte damit den niedrigsten Stand seit dem 7. April 2025. Dieser Verkaufsdruck erfolgt vor dem Hintergrund einer deutlich geringeren Liquidität im Gesamtmarkt und verstärkt den jüngsten kumulierten Rückgang von über 30 %.
Trotz der gedrückten Marktstimmung veröffentlichte Michael Saylor, Vorstandsvorsitzender von Strategy, am Sonntag auf der Social-Media-Plattform X ein Bild mit dem Schriftzug „More Orange“, was auf eine Fortsetzung der Aufstockung hindeutet. Das Unternehmen kündigte an, die Dividende seiner Series A nachhaltigen Vorzugsaktien (STRC) um 25 Basispunkte auf 11,25 % zu erhöhen, um Kapital durch hohe Finanzierungskosten anzuziehen und seine Bitcoin-Kaufstrategie aufrechtzuerhalten. Allerdings deuten Analysen darauf hin, dass bei anhaltender Seitwärtsbewegung oder Unterschreiten der Kostenlinie die hohen Dividendenauszahlungen zu erheblichen Cashflow-Engpässen führen könnten.
Der Makrostratege Jim Bianco von Bianco Research analysiert, dass der Bitcoin-Markt derzeit vor einer Erschöpfung der Erzählung steht. Die Marktstruktur ist stark institutionell geprägt: ETF-Investoren und Strategy kontrollieren zusammen etwa 10 % des zirkulierenden Angebots, wobei sich die Positionen derzeit im Verlust befinden. Dies zeigt, dass die einst unterstützende „Institutionelle Einstieg“-Erzählung nach hohen Kursen möglicherweise in eine große Verkaufsdruckquelle umschlägt.
Steigende Verluste bei institutionellen Haltepositionen, Nettoabflüsse bei ETFs
Bianco zeigt, dass Bitcoin zunehmend „institutionell gebucht“ wird, was bedeutet, dass der Markt erstmals die Kosten und Gewinne der großen Positionen klar beobachten kann. Derzeit halten Strategy und 11 physische Bitcoin-ETFs zusammen etwa 10 % des zirkulierenden Bitcoin-Angebots, mit einem durchschnittlichen Einstiegskurs von ca. 85.360 USD. Bei den aktuellen Kursen sind diese institutionellen Positionen insgesamt mit etwa 8.000 USD pro Bitcoin im Verlust, was eine unrealisierten Verlust von rund 7 Milliarden USD bedeutet.
Insbesondere die physischen ETFs sind zu einem zentralen Faktor bei Angebot und Nachfrage geworden. Daten zeigen, dass die 11 größten physischen Bitcoin-ETFs 1,29 Millionen Bitcoin halten, was 6,5 % des zirkulierenden Angebots entspricht und einen Marktwert von etwa 115 Milliarden USD aufweist. Diese Investoren haben im Durchschnitt einen Einstiegskurs von 90.200 USD, während der aktuelle Kurs rund 13.000 USD darunter liegt.
Diese Hochpreis-Positionierung führt zu einem typischen „Follow-the-Cycle“-Effekt. Bianco weist darauf hin, dass diese ETFs bereits 10 aufeinanderfolgende Handelstage Nettoabflüsse verzeichneten. Investoren verkaufen in der Rücksetzerphase nach hohen Kursen, was die Abwärtsbewegung des Marktes verstärkt.
Strategy-Sicherheitsmarge schrumpft, aggressive Finanzierung sorgt für Sorgen
Als Vorzeigeunternehmen im Bitcoin-Bereich steht die Strategie vor der bislang schwierigsten Belastungsprobe ihrer Bilanz. Derzeit hält das Unternehmen 712.647 Bitcoin mit einem durchschnittlichen Kostenpreis von etwa 76.037 USD. Mit dem Rückgang des Bitcoin-Preises auf rund 78.000 USD hat sich der unrealisierten Gewinn des Unternehmens deutlich auf unter 3 % reduziert.
Trotz der schwindenden Sicherheitsmarge zeigt Strategy keine Anzeichen einer Rückzugsbewegung. Um die nächste Kaufphase zu finanzieren, hat das Unternehmen die Rendite seiner STRC-Produkte auf 11,25 % angepasst, was im Vergleich zu typischen Unternehmensanleihen eine enorme Prämie darstellt. Dies spiegelt den extremen Kapitalbedarf des Unternehmens sowie die inhärente Volatilität seines Bitcoin-zentrierten Modells wider. Daten zeigen, dass allein der Verkauf dieser Produkte seit ihrem ersten Auftritt im November die Akquisition von über 27.000 Bitcoin finanziert hat.
Analysen deuten darauf hin, dass Strategy zwar noch profitabel ist, der Spielraum für Fehler jedoch deutlich geschrumpft ist. Bei weiter fallenden Kursen droht das Unternehmen insgesamt in Verlust zu geraten. Das Aufrechterhalten der hohen Dividendenzahlungen könnte zudem zu Liquiditätsengpässen führen, insbesondere wenn der Bitcoin-Preis unter die Kostenlinie von 76.000 USD fällt, was dieses Risiko besonders sensibel macht.
Alte Erzählungen versagen, der Markt braucht dringend neue Impulse
Aus makroökonomischer Sicht verschärfte dieser Kurssturz die Enttäuschungsstimmung, die sich über mehrere Wochen aufgebaut hatte. Jim Bianco ist der Ansicht, dass das eigentliche Problem des Bitcoin-Marktes darin besteht, dass es an neuen Erzählungen fehlt. Die zuvor hoch gehandelten „Old Money“-Erzählungen (Boomer Adoption) sind bereits vollständig eingepreist und werden sogar widerlegt.
Die aktuelle Marktstruktur zeigt, dass ETFs und Strategy nicht nur viel kaufen, sondern auch stark konzentriert sind und insgesamt im Verlust stehen. Bianco weist darauf hin, dass ohne eine neue, nachhaltige Kauf-Erzählung die Kapitalabflüsse wahrscheinlich anhalten werden. In diesem Szenario könnten die einst als positiv angesehenen hochgradig institutionellen Positionen stattdessen zu den größten Belastungen für den Markt werden. Das Problem bei Bitcoin liegt derzeit nicht darin, ob jemand in der Vergangenheit gekauft hat, sondern woher die nächsten Käufer kommen sollen.