Legendenkletterer Honnold hat 91 Minuten gebraucht, um den Taipei 101 aus eigener Kraft zu erklimmen, und hat damit den Markt mit einer Vorhersage über mehrere Hunderttausend US-Dollar an Handelsvolumen zum richtigen Zeitpunkt getroffen. Das Livestream-Event hat weltweite Aufmerksamkeit erregt und die geographischen Besonderheiten Taiwans gezeigt. Honnold scherzte außerdem, dass das 101-Gebäude ein familienfreundlicher Kletterort sei.
Der amerikanische Extremkletterer Alex Honnold hat am 25. Januar erfolgreich den Taipei 101 bezwungen. Bei der weltweiten Netflix-Livestream-Übertragung bewies er, dass er ohne Seile und Sicherungen, nur in 1 Stunde 31 Minuten, die Spitze des 508 Meter hohen Gebäudes erreichte – inklusive Selfie mit dem Handy.
Nach dem Klettern gab Honnold gemeinsam mit seiner Frau Sanni McCandless ein Interview mit den Medien. Währenddessen scherzte Honnold: „Taipei 101 ist ein familienfreundlicher Kletterort“, woraufhin Sanni laut lachen musste.
Er erklärte, dass man früher beim Outdoor-Klettern oft in abgelegene, signalarme Berge oder entlegene Gebiete musste, wo man monatelang im Zelt lebte und kaum Kontakt zur Außenwelt hatte. Im Vergleich dazu könne er nach diesem Challenge am nächsten Tag wieder nach Hause gehen, was ihn zum Lachen brachte: „Das ist echt ziemlich chillig.“
Obwohl Honnolds Kletterprozess entspannt wirkte, war Sanni beim Zuschauen der Live-Übertragung die ganze Zeit wie in Panik. Erst als sie sah, dass ihr Ehemann den Gipfel erreichte, konnte sie aufatmen.
Dieses viel beachtete Extrem-Event hat auch auf der dezentralen Vorhersageplattform Polymarket für rege Handelsaktivitäten gesorgt.
In der Vorhersage „Wie lange braucht Honnold, um den Taipei 101 aus eigener Kraft zu erklimmen?“ lag das Ergebnis schließlich im Bereich „1 Stunde 30 Minuten bis 1 Stunde 45 Minuten“. Das Handelsvolumen für diese Option betrug 548.452 US-Dollar (etwa 17,8 Millionen Taiwan-Dollar), während die Vorhersage „innerhalb von 1 Stunde bis 1 Stunde 30 Minuten“ ein Volumen von 1.006.123 US-Dollar aufwies.
Allerdings gab es Streit bei einem anderen Vorhersagevertrag, ob Honnold die Kletterei aus eigener Kraft vollendet. Obwohl Polymarket das Ergebnis letztlich auf „Ja“ festlegte, gab es Einwände. Ein Teilnehmer argumentierte, dass die Vertragsregeln klar definieren, dass „freies Klettern“ ohne Seile oder Schutzvorrichtungen gemeint sei.
Gegner beriefen sich auf die Live-Bilder und behaupteten, dass Honnold in der letzten Phase des Aufstiegs auf den Turmspitze des 101 eine Seilleiter benutzt habe, was gegen die Marktregeln für „vollständiges Seilfreiklettern“ verstoße.
Netflix hat in Zusammenarbeit mit dem 101 erstmals eine seilfreie Kletter-Übertragung gestreamt. Neben der begeisterten Teilnahme der taiwanesischen Bevölkerung hat das Event auch weltweit Aufmerksamkeit erregt.
Der Vorsitzende von Taipei 101, Jiao Yongjie, betonte, dass die Live-Übertragung die Fähigkeiten von 101 in den Bereichen öffentliche Sicherheit, internationale Zusammenarbeit und Risikomanagement zeigt. Es ist das Ergebnis professioneller Steuerung, kein willkürliches Glücksspiel. Präsident Lai Ching-te lobte ebenfalls Honnolds Mut und dankte allen Hinter den Kulissen Beteiligten, die es ermöglicht haben, Taiwan und seine Architektur sowie seine Leidenschaft der Welt zu präsentieren.
Allerdings berichtete die BBC, dass die Live-Übertragung bei einigen Zuschauern Bedenken hinsichtlich übertriebener Darbietung und möglicher Nachahmung hervorrief. Zudem wurde eine Klettermarke wegen unangemessener Social-Media-Posts von Online-Gegnern attackiert.
Taiwanesische Wissenschaftler analysieren, dass dies die kollektive Sehnsucht und Angst der taiwanesischen Gesellschaft widerspiegelt, „gesehen zu werden“, und dass die Übertragung auf internationaler Ebene dazu dient, die eigene Position auf der Weltbühne zu bestätigen.
Weiterführende Literatur:
Können sich Taiwaner wirklich kein Haus leisten? Ein Vergleich zwischen „The Economist“ und der taiwanesischen Realität