Im Zeitalter der zunehmenden Digitalisierung werden Datenschutzprobleme immer drängender. Ein Beispiel für Geldflüsse: Wenn jemand über einen längeren Zeitraum dieselbe Empfangsadresse öffentlich macht (z.B. einen Spendenlink in sozialen Medien), kann jeder leicht alle Geldbewegungen auf dieser Adresse nachverfolgen. Dies zerstört die finanzielle Privatsphäre der Nutzer. Um Privatsphäre zu wahren, ist die traditionelle Methode, bei jeder Zahlung eine neue Adresse zu generieren. In der Praxis ist diese Vorgehensweise jedoch bei festen Spenden oder E-Commerce-Zahlungen äußerst unpraktisch. Silent Payments (Stille Zahlungen) lösen dieses Problem, indem sie eine öffentliche Adresse mehrfach verwenden, ohne die Privatsphäre zu beeinträchtigen.
Frühe Ansätze: Von Stealth Addresses bis BIP 47
Vor der Einführung von Silent Payments hatten Entwickler verschiedene Lösungen vorgeschlagen, um die Privatsphäre bei statischen Adressen zu verbessern. Zu den bekanntesten gehören die 2012 eingeführten Stealth Addresses (Verdeckte Adressen) und BIP 47 (PayNyms).
Das Konzept der Stealth Addresses ist sehr intuitiv: Es erlaubt dem Empfänger, eine einzigartige, private Adresse zu generieren, die nur er selbst zugänglich ist, wobei kryptographische Techniken sicherstellen, dass nur der Empfänger die Gelder abrufen kann. Für den Betrieb des Systems müssen jedoch zusätzliche Daten (OP_RETURN) in die Blockchain eingefügt werden, was die Transaktionsgröße erhöht und die Transaktionen auf der Chain sichtbar macht, wodurch die Anonymität verloren geht.
BIP 47 (auch bekannt als PayNyms) verbessert diese Lösung. Es ermöglicht Nutzern, einen dauerhaften „Code“ zu veröffentlichen, mit dem beide Parteien einen Zahlungsweg aufbauen können. Ein Nachteil von BIP 47 ist jedoch, dass vor Beginn der Transaktion eine „Benachrichtigungs-Transaktion“ erforderlich ist, um die Verbindung herzustellen. Das erhöht die Transaktionskosten und hinterlässt Spuren auf der Chain, was die Nutzererfahrung weniger intuitiv macht.
(Verdeckte Adresse (Stealth Address) Was ist das? Das Geheimnis hinter den Blockchain-Privatsphäremitteln)
Was sind Silent Payments?
Silent Payments haben durch den Vorschlag BIP 352 Aufmerksamkeit erregt. Sie lösen die oben genannten Probleme perfekt: Nutzer können eine statische Adresse öffentlich teilen, doch bei jeder Bitcoin-Zahlung wird das Geld in eine völlig neue Adresse transferiert, die nicht öffentlich mit der statischen Adresse verbunden ist.
Das bedeutet, dass man die Silent Payments-Adresse bedenkenlos in Twitter-Biografien oder auf persönlichen Webseiten platzieren kann. Außenstehende sehen nur die statische Adresse. Wenn jemand eine Transaktion an diese Adresse sendet, erscheint auf der Blockchain nur eine gewöhnliche Überweisung, die nicht mit der statischen Adresse verknüpft werden kann.
Wie funktionieren Silent Payments auf Bitcoin?
Silent Payments entfernen hauptsächlich die Notwendigkeit der Interaktion zwischen Sender und Empfänger, wodurch der Ablauf so einfach wie das Scannen eines QR-Codes wird.
Der Sender scannt den Silent Payments-Code (QR-Code) des Empfängers. Die Wallet nutzt im Hintergrund den „Privatschlüssel des Senders“ und den „Öffentlichen Schlüssel des Empfängers“, um mittels Kryptographie eine gemeinsame Geheimzahl (Shared Secret) zu berechnen. Mit diesem Geheimnis generiert die Wallet eine neue, einmalige Bitcoin-Adresse. Wenn die Zahlung an diese Adresse gesendet wird, sieht es auf der Chain aus wie eine normale Taproot-Transaktion, ohne jeglichen Bezug zum Empfänger.
Für den Empfänger erfordert Silent Payments mehr Aufwand: Da die Adresse zufällig generiert wird, weiß der Empfänger nicht, wohin die Zahlung geht. Die Wallet muss kontinuierlich alle neuen Taproot-Transaktionen auf der Chain scannen und mit dem „Scan Key“ versuchen, eine Übereinstimmung zu finden. Wenn die Berechnung passt, ist die Zahlung für den Empfänger bestimmt. Mit dem „Spending Key“ kann die Wallet dann die Zahlung ausgeben.
Kurz gesagt: Der Sender „versteckt“ die Gelder, der Empfänger „identifiziert“ seine Gelder in der großen Welt.
Labels-Technologie zur Unterscheidung der Geldquellen
Da Silent Payments die Nutzung einer einzigen statischen Adresse fördern, stellt sich die Frage, wie man die Herkunft der Zahlungen erkennen kann. Hierfür wurde das „Labels“-System eingeführt. Es ist eine Technik, bei der die Herkunft der Gelder durch eine deterministische Feinjustierung des Ausgabeschlüssels unterschieden wird, ohne die Privatsphäre zu gefährden.
Beispielsweise kann ein Creator zwei statische Silent Addresses mit unterschiedlichen Labels generieren, die auf Plattformen wie X (Twitter) und Nostr verwendet werden. Obwohl beide Adressen zum selben Wallet gehören, unterscheiden sie sich im Code durch die Labels. Bei Zahlungseingängen kann der Nutzer im Wallet erkennen, von welcher Plattform die Spende stammt. Auf der Chain bleiben die Transaktionen jedoch anonym und stehen in keinem Zusammenhang mit der echten Identität. So profitieren Nutzer von der Bequemlichkeit eines einzigen Wallets und behalten gleichzeitig die Kontrolle über die Herkunft ihrer Gelder.
Aktuelle Unterstützung: Wallets und Börsen
Obwohl Silent Payments großes Potenzial haben, befinden sie sich noch in der frühen Implementierungsphase. Die größte Herausforderung liegt darin, dass das Scannen der Chain durch Wallets rechenintensiv ist.
Einige Vorreiter-Wallets haben bereits Unterstützung angekündigt oder entwickeln diese:
Cake Wallet: Eine bekannte Multi-Currency-Wallet, die Silent Payments bereits unterstützt.
Silentium: Eine speziell für Silent Payments entwickelte Wallet.
BlueWallet: Berichten zufolge wird auch an der Integration dieser Funktion gearbeitet.
Für Börsen ist die Unterstützung von Silent Payments ein großer Vorteil, da sie die Privatsphäre der Nutzer beim Auszahlen deutlich verbessern kann. Mit zunehmender Reife der Technik ist zu erwarten, dass mehr Mainstream-Hardware-Wallets (wie Trezor, Ledger) und Software-Wallets diese Funktion übernehmen werden. Diese Technologie ermöglicht es Bitcoin, trotz Transparenz und Offenheit eine digitale Privatsphäre zu bieten, die mit Bargeld vergleichbar ist.
Dieser Artikel: Bitcoin-öffentliche Zahlungen sind nicht mehr nackt! Wie Silent Payments Komfort und Privatsphäre vereinen, erschien zuerst bei Chain News ABMedia.