
Autor: Jsquare Investment Team
Hyperliquid’s HIP-3-Upgrade führt einen von Entwicklern bereitgestellten Perpetual Contract Market ein, der theoretisch die Unterstützung für nahezu alle Vermögenswerte im Perpetual Contract Handel bieten soll. Das bedeutet, dass Vermögenswerte von Kryptowährungen, Rohstoffen bis hin zu Vorhersagemärkten und anderen Asset-Klassen als Perpetual Contracts aufgebaut werden können.
Allerdings bringt das Design des HIP-3-Orakels eine entscheidende Einschränkung mit sich: Bei jeder Aktualisierung des Orakelpreises darf die relative Veränderung im Vergleich zum letzten Preis maximal ±1% betragen. Diese „1%-Grenze“ dient wahrscheinlich als Sicherheitsmaßnahme, um einen glatten Preisverlauf zu gewährleisten und böswillige oder fehlerhafte Orakel-Datenupdates zu verhindern.
In der Praxis schränkt diese Mechanik jedoch die Unterstützung für Märkte mit hoher Geschwindigkeit oder nicht-kontinuierlicher Preisgestaltung erheblich ein – in solchen Märkten können die tatsächlichen Preise innerhalb kürzester Zeit große Sprünge machen oder sogar „Lücken“ aufweisen, anstatt einem glatten Verlauf zu folgen.
Im Rahmen des HIP-3-Mechanismus hängt jeder von Entwicklern bereitgestellte Perpetual Contract Market von einer vom Deployment-Partner bereitgestellten Orakel-Quelle ab. Dieses Orakel muss hochfrequent aktualisiert werden (etwa alle 3 Sekunden, mit einem Minimum von 2,5 Sekunden zwischen den Updates). Entscheidend ist: Bei jeder Aktualisierung darf die Veränderung im Vergleich zum vorherigen Markpreis (Mark Price) maximal 1% betragen. Wenn innerhalb von 10 Sekunden kein Orakel-Update erfolgt, fällt das System auf den neuesten Mid-Preis von Bid/Ask zurück, um den Markpreis zu bestimmen. Mit anderen Worten: HIP-3 setzt eine strenge Geschwindigkeitsbegrenzung für Preisänderungen: Unabhängig davon, wie stark sich der tatsächliche Wert des Basis-Assets in der realen Welt verändert, darf der Preis im On-Chain-Perpetual Contract nur um maximal 1% pro Orakel-Update abweichen.
Dieses Design erhöht die Stabilität des Systems und kann plötzliche Preisvolatilitäten durch fehlerhafte Daten oder fehlerhafte Orakel verhindern. Es sorgt für einen glatten und kontinuierlichen Preisverlauf, reduziert das Risiko einer Kettenreaktion bei plötzlichen Preisstürzen, und gibt den Validierern Zeit, bei verdächtigen Orakel-Updates zu reagieren. Zudem führt HIP-3 weitere Sicherheitsmechanismen ein, um die Marktintegrität zu wahren, z.B. eine Preisobergrenze, die den Preis auf das Zehnfache des Eröffnungskurses beschränkt, sowie eine Obergrenze für das Wachstum offener Positionen, um eine kurzfristige Marktexpansion zu verhindern.
Doch die 1%-Preisabweichungsgrenze ist ein zweischneidiges Schwert. Für Mainstream-Kryptowährungen, die in der Regel keine extremen Volatilitäten innerhalb weniger Sekunden aufweisen, kann dieses Limit das Orakelrisiko effektiv reduzieren. Für Märkte, die jedoch große oder plötzliche Preisbewegungen erfordern, wird diese Begrenzung zu einem erheblichen Performance-Engpass.
Hierbei bezeichnet „nicht-mainstreamige Nischenmärkte“ solche, bei denen der Basiswert innerhalb kürzester Zeit stark schwanken kann oder in großen Sprüngen auftritt. Das Orakel-System von HIP-3 ist grundsätzlich für relativ glatte, öffentlich verifizierbare Marktdaten konzipiert, z.B. für hochliquide Kryptowährungen. Bei solchen Märkten zeigt es seine Grenzen. Im Folgenden werden typische Märkte betrachtet und erklärt, warum die 1%-Update-Grenze HIP-3 für diese ungeeignet macht:
Ein typisches Beispiel sind Vorhersagemärkte wie Binäre Optionen. Hier schwankt der Preis meist langsam, aber bei Ergebnisfeststellung springt der tatsächliche Wert sofort auf 0 oder 1. Quoten bei Sportereignissen oder Wahlen ändern sich oft stufenweise, z.B. eine Fußballmannschaft erzielt einen Touchdown, was die Wahrscheinlichkeit sofort um mehrere Prozentpunkte erhöht. Bei der HIP-3-1%-Grenze kann der On-Chain-Preis diese Sprünge nicht abbilden. Wenn das Ergebnis feststeht, muss der Preis von 0,50 auf 1,00 steigen, was eine Reihe kleiner 1%-Schritte erfordert. Während dieser Verzögerung weicht der On-Chain-Preis stark vom tatsächlichen Wert ab, und jeder, der das Ergebnis kennt, kann diese Differenz für risikofreie Arbitrage nutzen, z.B. durch günstigen Kauf des „Ja“-Options und schrittweises Profitieren bei steigenden Preisen. Diese Vorgehensweise ist weder realistisch noch sicher, da sie die Kernfunktion des Vorhersagemarktes untergräbt. Das Ergebnis muss schnell ausgezahlt werden, aber die kontinuierlichen Orakel-Updates von HIP-3 reichen nicht aus, um Fairness oder Effizienz zu gewährleisten.
Zinsen können kurzfristig erheblich schwanken, z.B. bei geldpolitischen Ankündigungen oder Wirtschaftsdaten. Eine unerwartete Entscheidung der Federal Reserve kann z.B. die zweijährigen Staatsanleihenrenditen innerhalb von Sekunden um Dutzende Basispunkte verschieben. Auch bei zinsbezogenen Perpetual Contracts können plötzliche Sprünge auftreten. Bei der HIP-3-Update-Grenze kann der On-Chain-Preis diese schnellen Änderungen nur schrittweise widerspiegeln, was zu Arbitragechancen führt und zu ungenauen Margin-Berechnungen, da Positionen auf veralteten Preisen basieren. Ohne Anpassung ist das HIP-3-Modell für Zinsmärkte oder andere Indikatoren mit nicht-kontinuierlicher Preisfindung ungeeignet.
Einige HIP-3-Deployments zielen auf Private-Equity- oder andere illiquide Vermögenswerte ab. Diese werden nicht kontinuierlich am Markt gehandelt, sondern nur bei Finanzierungsrunden oder neuen Informationen aktualisiert, was große Sprünge verursachen kann. Beispielsweise kann eine Startup-Bewertung bei einer Finanzierungsrunde auf 100 Mio. USD steigen, bei der nächsten auf 150 Mio. USD. Wenn jemand versucht, einen fairen Wert für solche Assets durch ein Orakel zu ermitteln, steht er vor dem Problem, dass bei neuen Bewertungen oder Ereignissen der Preis in einem Schritt um Dutzende Prozentpunkte steigen kann. Im HIP-3-Markt würde diese Veränderung auf mehrere kleine Updates verteilt, was die Marktpreisfindung verzögert und die tatsächliche Bewertung im Markt nicht widerspiegeln lässt.
Das Kernproblem ist, dass die 1%-Grenze die Geschwindigkeit der On-Chain-Preisanpassung begrenzt. Wenn der tatsächliche Preis eines Assets plötzlich um 10% steigen muss, braucht das HIP-3-Orakel mehrere Updates, um diesen Wert zu erreichen. Bei einer Veränderung um 50% (z.B. bei binären Ereignissen) sind möglicherweise Dutzende Updates notwendig, was Minuten dauern kann. Für aktive Trader ist eine Verzögerung von wenigen Sekunden bereits ausnutzbar, eine Verzögerung von mehreren Minuten ist für die Marktintegrität katastrophal.
Wichtig ist: Es geht hier nicht nur um Orakel-Latenz (Datenbeschaffung), sondern um eine bewusste Geschwindigkeitsbegrenzung bei der Preisänderung. Selbst wenn ein off-chain-Orakel, z.B. Web2-APIs oder Pyth, eine große Preisbewegung sofort meldet, wird Hyperliquid diese schrittweise aufnehmen. Ziel ist es, plötzliche Preisschocks zu vermeiden, aber gleichzeitig entsteht bei schnellen Preisänderungen eine Differenz zwischen tatsächlichem und On-Chain-Preis. Trader, die externe Preise beobachten, können auf den verzögerten On-Chain-Preis reagieren, bis das Orakel nachzieht. Das schafft risikofreie Arbitragemöglichkeiten, bei denen langsame oder unaufmerksame Teilnehmer Verluste erleiden. Solche Arbitrage-Transaktionen schaden weniger informierten Tradern, sondern können auch von Akteuren genutzt werden, die durch langsame Updates von Orakeln Wert aus Liquiditätspools oder Versicherungsfonds abziehen, was die Systemmittel belastet.
Aus Risikomanagement-Sicht ist die 1%-Grenze ursprünglich für Stabilität gedacht, aber in diesen Szenarien führt sie unbeabsichtigt dazu, dass einige HIP-3-Märkte aus Sicherheitsgründen auf Kosten der Preisgenauigkeit eingeschränkt werden. Der Wert eines Perpetual Contracts liegt darin, dass sein Preis die tatsächlichen Werte des Basis-Assets widerspiegelt. Bei großen Verzögerungen verliert das System seine Funktion. Daher sind bei der aktuellen 1%-Grenze einige Perpetual Contracts zwar theoretisch möglich, aber praktisch kaum funktionsfähig.
Um die Unterstützung für schnelle Märkte zu verbessern, sind Änderungen auf Protokoll-Ebene notwendig. Es wurden bereits mehrere Strategien vorgeschlagen, um HIP-3 oder zukünftige Versionen so anzupassen, dass sie schnelle Preisbewegungen ohne Sicherheitsverlust unterstützen. Hier einige wichtige Ansätze:
Eine direkte Lösung ist, die strenge 1%-Grenze für Märkte mit höherer Volatilität zu lockern. Ein von Pyth mitverfasster HIP-3-Entwurf sieht vor, die maximale Preisabweichung pro Update konfigurierbar zu machen. Der Deploying-Partner kann je nach Asset-Eigenschaften eine höhere Grenze setzen (z.B. bis zu 5%), anstatt sie fest auf 1% zu beschränken. Diese Flexibilität ermöglicht es, Märkte mit hoher Volatilität schneller an den tatsächlichen Wert anzupassen. Das Prinzip ist, bei extremen Ereignissen oder schnellen Schwankungen die Markierungskurse nicht zu verzögern, aber dennoch die Veränderung zu begrenzen, um Manipulationen zu erschweren. Für Vorhersagemärkte oder Zins-Perpetuals kann so eine höhere Schwelle gewählt werden, um eine schnellere Annäherung an den realen Wert zu gewährleisten.
Eine weitere Option ist, bei Abschluss eines Ereignisses oder bei Bedarf für außergewöhnliche Sprünge spezielle Orakel-Updates zu erlauben. Bei binären Märkten könnte das Orakel z.B. nach Ergebnisfeststellung den finalen Preis (0 oder 1) in einem einzigen Update veröffentlichen, um die 1%-Grenze zu umgehen. Dies könnte an bestimmte Bedingungen geknüpft sein, z.B. nur nach Ablauf des Ereignisses oder bei Bestätigung durch mehrere Signaturen. Im Wesentlichen würde das Orakel zwischen zwei Modi wechseln: Im Normalbetrieb kleine, inkrementelle Updates, bei besonderen Ereignissen eine „Schnell-Update“-Funktion, die die 1%-Grenze überspringt.
Eine radikalere, aber elegante Lösung ist, bestimmte Märkte so zu gestalten, dass sie vollständig ohne kontinuierliche Orakel-Preise auskommen. Genau das ist das Ziel von HIP-4 für Vorhersagemärkte: Es entfernt die Notwendigkeit für kontinuierliche Orakel-Updates und das Funding-Fee-Mechanismus, sodass der Marktpreis allein durch die Nachfrage der Trader bestimmt wird, bis das Ereignis endet. Das Marktmodell basiert auf einer fairen Wert-Preisfindungsauktion, bei der nur bei Abschluss das endgültige Ergebnis (0 oder 1) durch ein Orakel veröffentlicht wird. Dadurch entfallen die Probleme der ständigen Preisaktualisierung, und der Markt kann sich bei neuen Informationen sofort anpassen. Der Kompromiss liegt darin, dass ausreichend Liquidität und Aktivität vorhanden sein müssen, um die Preisfindung zuverlässig zu gestalten. Diese Lösung umgeht elegant die Beschränkungen durch Orakel-Update-Intervalle und die Komplexität des Funding-Fee-Mechanismus.
HIP-3 hat die Einführung von permissionless, vom Entwickler deployten Perpetual Contract Markets ermöglicht – eine bedeutende Innovation, die theoretisch auf jedem Asset implementiert werden kann. Die integrierte Beschränkung auf maximal 1% Preisänderung bei jedem Update stellt jedoch eine Barriere für Märkte mit hoher Volatilität dar. Die Anforderung, Preise nur inkrementell zu aktualisieren, führt dazu, dass Märkte mit plötzlichen, großen Preisbewegungen nicht akkurat abgebildet werden können. In solchen Fällen verzögert sich der On-Chain-Preis erheblich gegenüber dem tatsächlichen Wert, was Arbitragemöglichkeiten schafft und die Marktintegrität schwächt. In der aktuellen Form eignet sich HIP-3 vor allem für Assets mit relativ kontinuierlichen, moderaten Schwankungen (z.B. Haupt-Kryptowährungspaare, Aktien oder Rohstoffe), während Märkte mit extremer Volatilität kaum abbildbar sind.
Gute Nachrichten: Die Hyperliquid-Community ist sich dieser Einschränkungen bewusst und arbeitet aktiv an Lösungen. HIP-4 für Event-Futures zeigt einen möglichen Weg, indem es die Abhängigkeit von kontinuierlichen Vorhersagemarkt-Orakeln aufhebt, und die geplante HIP-3.1-Änderung könnte das Orakel-System flexibler machen. Wenn diese Vorschläge umgesetzt werden, wird Hyperliquid in Zukunft wahrscheinlich in der Lage sein, auch hochvolatile Märkte ohne die aktuellen gravierenden Beschränkungen zu unterstützen.
Quelle: HIP 4 - Event Futures | bedlam
HIP-3.1 Änderung
Hyperliquid Docs
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