
Autor: Zen, PANews
Die Entwicklungen bei südkoreanischen Krypto-Börsen reißen nicht ab. Ende 2025 wurde bekannt, dass der südkoreanische Finanzriese Mirae Asset Group den Erwerb von Anteilen an der viertgrößten Kryptowährungsbörse Korebit vorantreibt. Die Nachricht, dass traditionelle Finanzgiganten in den Krypto-Markt einsteigen, zieht erneut Aufmerksamkeit auf den koreanischen Markt.
Derzeit stehen Mirae Asset Group und die beiden größten Anteilseigner von Korebit, NXC und SK Planet, in Kontakt und haben eine Absichtserklärung (MOU) unterzeichnet. Das Abkommen umfasst etwa alle Anteile, die beide halten, mit einer Transaktionsbewertung zwischen 100 Milliarden und 140 Milliarden Won (ca. 70 Millionen bis 100 Millionen USD). Aufgrund von Vertraulichkeitsvereinbarungen kann Mirae Asset keine konkreten Details bestätigen.
Mirae Asset Group ist eines der führenden integrierten Finanzunternehmen Südkoreas, das in Asset Management, Wertpapierinvestmentbanken, Brokerage und Versicherungen tätig ist und „Globalisierung“ als langfristige Strategie verfolgt. Laut Angaben des Konzerns hat das Gesamtvermögen bis Juli 2025 die Marke von 700 Milliarden USD überschritten.
Der Kopf des Konzerns ist Park Hyeon-joo, der als „Koreas Buffett“ bekannt ist. Seit Gründung von Mirae Asset im Jahr 1997 ist Park Hyeon-joo der zentrale Entscheidungsträger, derzeit als Global Strategy Officer, mit Fokus auf Auslandsgeschäfte. Laut The Korea Times betont Park Hyeon-joo stets die Erforschung von Geschäftsmodellen, die traditionelle globale Vermögenswerte mit digitalen Vermögenswerten verbinden.
Park Hyeon-joo
Daher entspricht die geplante Übernahme von Korebit auch Park Hyeon-joo’s Vision einer Finanzinnovation auf Basis digitaler Vermögenswerte. Derzeit hat die Tochtergesellschaft Mirae Asset Consulting, die keine Finanzdienstleistungen anbietet, bereits mit den beiden größten Anteilseignern von Korebit, Nexon (über NXC) und SK Group (über SK Planet), Absichtserklärungen unterzeichnet. NXC und seine Tochtergesellschaften halten insgesamt etwa 60,5 %, SK Planet etwa 31,5 %.
Der Grund, warum die Übernahme über Mirae Asset Consulting erfolgt, liegt darin, dass seit 2017 in Südkorea das Prinzip der „Trennung von Finanz- und virtuellen Vermögenswerten“ gilt, das es traditionellen Finanzinstituten grundsätzlich verbietet, direkt virtuelle Vermögenswerte zu betreiben, zu besitzen oder zu kontrollieren. Daher kann die Übernahme durch eine Nicht-Finanz-Tochtergesellschaft regulatorisch umgangen werden.
Mirae Asset hat bisher keine offizielle Stellungnahme abgegeben, doch Insider berichten, dass die Grundrichtung der Absichtserklärung bereits bestätigt wurde. Dies gilt auch als bedeutendes Signal für die aktive Expansion traditioneller südkoreanischer Finanzinstitute in den Bereich digitaler Vermögenswerte.
Der überraschende Einstieg von Mirae Asset in den Kryptowährungsmarkt durch den groß angelegten Erwerb von Korebit wird allgemein als bedeutender Einfluss auf den südkoreanischen Kryptomarkt gesehen. Optimisten hoffen, dass Korebit die Monopolstellung der beiden großen Börsen Upbit und Bithumb durchbrechen könnte.
Korebit wurde 2013 gegründet und war eine der ersten Börsen in Südkorea, die Bitcoin gegen den koreanischen Won (BTC/KRW) tauschte. Anfangs spielte Korebit eine bedeutende Rolle im Krypto-Blockchain-Handel in Korea, doch mit zunehmendem Wettbewerb schwand der Einfluss.
Obwohl Korebit heute als viertgrößte Börse in Korea gilt, liegt seine Marktposition und sein Anteil im Vergleich zu Upbit und Bithumb deutlich zurück. Bis Ende Dezember 2025 haben Upbit und Bithumb einen Marktanteil von etwa 67 % bzw. 27 % im 24-Stunden-Handel, während Coinone mit ca. 5 % den dritten Platz belegt und Korebit weniger als 1 %, weit hinter den Branchenführern.
Die vier größten Börsen in Südkorea
In Bezug auf die Anteilseignerstruktur erwarb NXC, die Muttergesellschaft des Gaming-Giganten Nexon, 2017 etwa 62 % an Korebit für 930 Milliarden Won (ca. 7 Millionen USD). 2021 investierte SK Square (bzw. SK Planet), die Investmentplattform der SK Group, rund 90 Milliarden Won in Korebit und erhielt etwa 35 % der Anteile, wurde damit zweitgrößter Anteilseigner. Danach wurde NXC’s Anteil auf etwa 60,5 % verwässert, SK Square hält ca. 31,5 %.
Zeitlich gesehen passt das Engagement der beiden traditionellen Giganten in Blockchain und Metaverse in den richtigen Moment. Allerdings ist Korebits Geschäftslage nicht optimal: Nach der Übernahme durch NXC verschlechterte sich die Performance zunehmend, mit mehreren Jahren operativer Verluste. 2024 erholte sich der südkoreanische Kryptowährungsmarkt, was Korebit schließlich in die Gewinnzone führte. 2024 konnte Korebit die Verluste gegenüber 2023 deutlich reduzieren und durch Investitionen in Kryptowährungen sowie nicht-operative Erträge einen Nettogewinn von 98 Milliarden Won erzielen.
Daher haben NXC und SK Square bereits nach einem Käufer gesucht. Im Februar 2024 berichteten Medien, dass NXC plant, rund 48 % der Korebit-Anteile zu verkaufen. Seit 2023 haben NXC und SK Square mehrere potenzielle Käufer kontaktiert, doch Verhandlungsabbrüche wegen Preisunterschieden und internen Problemen verhinderten bisher einen Abschluss.
Bemerkenswert ist, dass im November 2025 Berichte auftauchten, wonach Bybit Korebit übernehmen wolle, Korebit dementierte diese Gerüchte jedoch umgehend und erklärte, es gebe keine Mitteilungen oder Verhandlungen über einen Anteilsverkauf.
Derzeit dominiert in Südkorea eine Zweierkonstellation: Upbit ist die unangefochtene Nummer eins, während Bithumb sich bemüht, aufzuholen. Nach der Markteroberung bauen beide ihre Verteidigungslinien aus und erkunden aktiv Expansionsmöglichkeiten.
Der Branchenführer Upbit, betrieben von Dunamu, wurde angekündigt, von Naver, einem südkoreanischen Tech-Giganten, durch seine Finanztochter Naver Financial für 10,3 Milliarden USD in einer Vollaktienübernahme übernommen zu werden. Laut Zeitplan soll die endgültige Aktienumtausch- und Übertragungsabwicklung bis zum 30. Juni 2026 abgeschlossen sein.
Außerdem plant Upbit laut Bloomberg nach Abschluss der Fusion mit Naver Financial einen Börsengang (IPO) an der NASDAQ.
Bithumb bereitet sich ebenfalls auf den Börsengang vor, um 2026 an der KOSDAQ in Korea gelistet zu werden. Bereits 2025 wurde die Abspaltung und Umstrukturierung des Unternehmens vorangetrieben, bei der die Börsenaktivitäten von den Investitions-, Holding- und Nicht-Börsen-Geschäften getrennt werden, um bei der Zulassung eine klarere Geschäftsgrenze und Risikotrennung zu präsentieren. Das IPO wird von Samsung Securities als Lead-Underwriter begleitet, die Due Diligence läuft bereits.
Vor dem Hintergrund des verschärften Wettbewerbs ist es für Korebit, das nur einen sehr kleinen Marktanteil hat, äußerst schwierig, sich durchzusetzen.
Andererseits erhöhen regulatorischer Druck und Auflagen nicht nur die Hürden für das Geschäft, sondern auch die Unsicherheit für Mirae Asset bei einer möglichen Übernahme.

Ende 2025 berichtete die südkoreanische Finanzaufsichtsbehörde (FIU), Korebit sei wegen Verstoßes gegen das „Gesetz über spezielle Finanzinformationen“ mit einer Warnung und einer Geldstrafe von 27,3 Milliarden Won (ca. 208 Millionen USD) belegt worden. Zudem wurden die Verantwortlichen des Unternehmens verwarnt und disziplinarisch behandelt. Die Sanktionen der FIU sind eine landesweite Durchsetzung, die vor allem prüft, ob Plattformen die Kundenidentifikation und Transaktionsbeschränkungen einhalten. Zuvor hatte die Behörde bereits eine Geldstrafe von etwa 35,2 Milliarden Won gegen Dunamu verhängt.
Außerdem schlägt die südkoreanische Finanzkommission im Rahmen des vorgelegten „Grundgesetzes für digitale Vermögenswerte“ vor, die Beteiligungsquote der Großaktionäre der vier größten virtuellen Asset-Börsen im Land auf 15–20 % zu begrenzen, um zu verhindern, dass wenige Gründer und Anteilseigner die Börsen kontrollieren. Wird das Gesetz verabschiedet, müssten die Börsen ihre Strukturen anpassen und umorganisieren, was in der Branche auf starke Kritik an einer Überregulierung durch die Regierung stößt.
Ob Mirae Asset und Korebit letztlich eine Einigung erzielen, ist noch ungewiss. Trotz des kleinen Anteils besitzt Korebit als lizenzierte Börse eine konforme Infrastruktur für die Anbindung an Bankkonten, was für traditionelle Finanzinstitute attraktiv ist und einen schnellen Zugang zu regulierten virtuellen Vermögenswerten ermöglicht. Bei einer Übernahme könnte Mirae Asset, als traditioneller Finanzgigant, Korebit deutlich mehr Unterstützung bieten als die bisherigen Anteilseigner und die Integration von traditionellem Finanzwesen und Kryptowährungen weiter vorantreiben.