Von Sahara bis Tradoor: Ein Überblick über die neuesten „kreativen Absturz“-Maschen bei Shitcoins

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SAHARA23,02%
TRADOOR4,27%

Verfasst von: Asher, Odaily Planet Daily

Obwohl sich der Markt in den letzten Tagen etwas erholt hat, liegt seit dem „1011 Crash“ weiterhin ein schwer zu vertreibender Schatten über der Krypto-Welt. Besonders auffällig ist, dass eine Reihe neuer Meme-Coins scheinbar kollektiv den „Abwärtsschalter“ betätigt haben und immer wieder spektakuläre Crashs erleben: Tagesverluste um 50 %, Einbrüche von über 80 %, Kursspitzen direkt nach Handelsstart gefolgt von anhaltendem Abverkauf, konzentrierte Airdrop-Dumps … Bemerkenswert ist, dass diese Auffälligkeiten meist bei neuen Projekten auftreten, die auf Binance Alpha gelistet wurden.

In nur wenigen Wochen ereigneten sich mehrere dieser „rätselhaften Abwärts“-Fälle hintereinander. On-Chain-Kapitalströme, Market-Maker-Aktionen, Reaktionen und Schweigen der Teams – Stück für Stück setzt sich das Bild dieser Turbulenzen zusammen. Im Folgenden ordnet Odaily Planet Daily die derzeit meistdiskutierten und repräsentativsten „Absturzfälle“ der letzten Zeit.

Sahara AI: Über 50 % Crash in kurzer Zeit – Massenliquidationen bei Perpetuals + Short-Squeeze-Effekte

Am Abend des 29. November fiel der Token SAHARA von Sahara AI innerhalb kürzester Zeit um mehr als 50 % und hat sich seitdem nicht wesentlich erholt; aktuell liegt der Kurs bei 0,03869 US-Dollar.

SAHARA K-Liniendiagramm

Am nächsten Tag veröffentlichte das Sahara AI-Team umgehend ein Statement, um dem Markt etwas Sicherheit zu vermitteln, mit drei zentralen Botschaften:

  1. Kein Team- oder Investorendumping: Alle befinden sich noch in der Vesting-Phase, der erste Unlock ist erst in einem Jahr (Juni 2026).
  2. Keine Probleme mit dem Smart Contract: Kein Hack, keine Manipulation, keine unerklärlichen Tokenbewegungen.
  3. Das Geschäft wird angepasst, aber es gibt keine Probleme: Interne Ressourcen werden neu gebündelt, Fokus auf schnelleren Ausbau der Wachstumsbereiche.

Klingt alles recht „harmlos“, doch die Community diskutierte völlig andere Aspekte. KOL Crypto Fearless schrieb auf X, der ungewöhnliche Kurssturz bei SAHARA sei auf „serienmäßige Liquidationen eines aktiven Market Makers“ zurückzuführen: Ein Market Maker, der mehrere Projekte betreute, sei aufgrund von Exchange-Audits mit all seinen Positionen in Schieflage geraten – SAHARA sei dabei nur „Kollateralschaden“.

Sahara AI dementierte diese Darstellung jedoch rasch und betonte, dass ihre Market Maker ausschließlich Amber Group und Herring Global seien, beide seien nicht betroffen, nicht auditiert, nicht liquidiert worden. Die Version des Teams: Der Kurssturz sei primär auf Massenliquidationen bei Perpetual-Kontrakten + konzentrierte Short-Verkäufe zurückzuführen. Mit anderen Worten: „Das Problem liegt in der Marktstruktur, nicht bei uns.“ Das Team steht weiterhin im direkten Austausch mit den relevanten Börsen und will nach weitergehender Verifizierung neue Informationen veröffentlichen.

aPriori: 60 % der Airdrops „abgegriffen“, Token seit Listung um fast 80 % gefallen

aPriori ist ein hochfinanziertes Projekt aus dem Monad-Ökosystem, dessen Token APR bereits vor dem Launch des Monad Mainnets auf der BNB Chain „frühzeitig“ TGE feierte. Am 23. Oktober wurde APR auf Binance Alpha und Binance Futures gelistet und schoss kurzzeitig über 0,7 US-Dollar, fiel dann aber kontinuierlich und notiert aktuell bei 0,13 US-Dollar. Die schwache Kursentwicklung direkt nach dem Listing sorgte bereits für Zweifel in der Community, der eigentliche Auslöser folgte jedoch erst einige Wochen später.

APR K-Liniendiagramm

Die schockierendste Nachricht: 60 % der Airdrops wurden von ein und derselben Entität über 14.000 Adressen eingesammelt. Am 11. November zeigte Bubblemaps auf, dass 60 % der aPriori-Airdrop-Token über 14.000 miteinander vernetzte Wallets an eine einzige Entität gingen. Diese Wallets luden jeweils 0,001 BNB auf Binance auf und transferierten die APR-Token anschließend in einen neuen Walletpool.

APR „Insider“-Adressen als Bubble-Chart

Was die Community jedoch noch mehr erzürnte als die Daten selbst – das Projektteam reagiert überhaupt nicht. Am 14. November erklärte Bubblemaps, man habe das aPriori-Team bereits frühzeitig bezüglich der „60 % Airdrop über 14.000 Adressen“-Problematik kontaktiert, bislang aber keine Antwort erhalten.

Auch Blockchain-Detektiv ZachXBT schrieb auf X, dass er den aPriori-Co-Founder persönlich zu den „Insider“-Vorwürfen angeschrieben habe, aber bis zum 18. November ohne Antwort blieb.

Zeitgleich verstummte der offizielle X-Account, Discord-Admins waren praktisch nicht mehr erreichbar, und die Community-Stimmung schlug um von Enttäuschung zu Wut:

„Ist das Projektteam schon abgehauen?“ „Arbeitet das Team schon am nächsten Projekt?“ „So etwas bei einem hochfinanzierten Projekt?“

Erst am 21. November äußerte sich das Team, ging aber nicht auf die Kernfragen ein, sondern erklärte lediglich, „keinerlei Hinweise auf Team- oder Foundation-Airdrop-Ansprüche gefunden zu haben“ und lenkte die Aufmerksamkeit auf den kommenden Monad-Mainnetairdrop, der der Monad-Community „große, nicht-gesperrte APR-Airdrops“ verspreche. Diese Erklärung überzeugte die Community nicht, sondern wurde als „Ausweichen“ bewertet.

Noch schlimmer: Am Tag des Monad-Mainnet-Launches wurde das neue aPriori-Airdrop-Event von kaum jemandem beachtet, offizielle Kanäle verstummten danach erneut. Vom hochfinanzierten Star-Projekt zum rasanten Vertrauensverlust verging nicht einmal ein Monat.

Irys: Eine Entität beansprucht 20 % des Airdrops über 900 Wallets und verkauft bereits 4 Mio. Dollar

Irys ist eine L1-Public-Chain mit Fokus auf „Datenintelligenz“, die fast 20 Mio. US-Dollar einsammelte. Doch das Airdrop- und Pre-Mainnet-Chainverhalten löste heftige Kritik wegen „Insider-Airdrop-Dumping“ aus.

Am Vortag des Launches: 900 Adressen erhalten konzentriert Einzahlungen

Am 28. November berichtete Bubblemaps, dass am Tag vor dem IRYS-Mainnet-Launch insgesamt 900 Adressen in mehreren Zeitfenstern ETH von der Bitget-Börse erhielten – mit auffällig ähnlichen Merkmalen:

  • Keine vorherige On-Chain-Historie (neue Wallets)
  • Ähnliche ETH-Einzahlungsbeträge
  • Alle beanspruchten am Launch-Tag IRYS-Airdrops

Diese Adressen zusammen erhielten etwa 20 % des IRYS-Airdrop-Volumens.

Weitere Analyse: Typisches Sybil-Cluster

Bubblemaps teilte diese 900 Adressen in 20 Einzahlungs-Batches zu je 50 Adressen auf. Die Recherchen zeigen:

  • Zeitraum: 21. bis 24. November, Bitget initiierte 20 Einzahlungsrunden
  • Muster: In jeder Runde wurden kleine ETH-Beträge eingezahlt, Adressenerstellung, Aktivierung und Transaktionspfade praktisch identisch
  • Verhalten: Kurzzeitig synchron aktiv, nahezu identische Abläufe

Dieses Verhaltensmuster entspricht einem typischen „Sybil-Cluster“ und deutet auf geplante, organisierte Aktionen hin.

Transaktionspfad: Vom Airdrop zur Börse

Die Nachverfolgung von 500 Adressen ergab ein identisches Schema:

  • IRYS-Airdrop einsammeln
  • Alle Token auf eine neue Wallet übertragen („Waschadresse“)
  • Neue Wallet transferiert IRYS zu Bitget
  • Höchstwahrscheinlich wurden die Token auf der Börse direkt verkauft

Bislang sind so IRYS-Token im Wert von etwa 4 Mio. US-Dollar bei Bitget gelandet.

IRYS „Insider“-Adressen als Bubble-Chart

Irys-Statement: Sybil-Cluster-Airdrops stehen nicht im Zusammenhang mit Team oder Investoren

Nach den jüngsten On-Chain-Analysen zum IRYS-Sybil-Airdrop-Cluster hat das Projektteam intern recherchiert und sich über mehrere Kanäle und Partner mit den Börsen abgestimmt. Das offizielle Statement:

  • Keine Verbindung zu Team oder Investoren: Die untersuchten Sybil-Cluster-Wallets sind nicht mit Team-, Foundation- oder Investor-Wallets verbunden. Die vom Team, der Foundation und den Gründern gehaltenen IRYS-Token wurden nicht verkauft und unterliegen weiterhin Vesting- und Unlock-Regeln.
  • Reflexion über Airdrop-Design und Anti-Sybil-Maßnahmen: Bereits vor Launch wurden verschiedene Anti-Sybil-Mechanismen verwendet, um offensichtliche Arbitrageure auszufiltern. Dennoch konnten Sybil-Cluster nicht vollständig verhindert werden. Das Team sieht die Ursache in Schwächen des Airdrop-Designs, nicht im Versagen von Partnern und verspricht Verbesserungen.
  • Zukunftspläne: Das Team wird regelmäßig Fortschrittsupdates zum Netzwerk, Ökosystem und wichtigen Firmennews veröffentlichen. Produkt- und Öko-seitig sollen das Protokoll weiter optimiert, Integrationsszenarien ausgebaut, Datenanwendungen gefördert und langfristige Nutzer sowie Entwickler unterstützt werden.

Das Team betont, dass dieses Ereignis den Betrieb des IRYS-Mainnets nicht beeinträchtigt und die langfristigen Projektziele unverändert bleiben. Vertrauen soll durch kontinuierliche Entwicklung und Transparenz, nicht nur durch Worte, zurückgewonnen werden.

Tradoor: Top 10 Adressen halten 98 % der Tokens, kurzfristiger Crash um fast 80 %

Das Binance Alpha-Projekt Tradoor erreichte mit dem Token TRADOOR am 1. Dezember ein Allzeithoch bei 6,64 US-Dollar, stürzte aber innerhalb von 24 Stunden auf 1,47 US-Dollar ab (fast -80 %) und steht aktuell bei 1,39 US-Dollar.

TRADOOR K-Liniendiagramm

On-Chain-Daten zeigen: Tradoor ist extrem zentralisiert – nur 10 Adressen kontrollieren 98 % der Gesamtversorgung, eine einzige Adresse hält sogar 75 % der Tokens. Der Rest des Umlaufs ist fast bedeutungslos, der DEX-Liquiditätspool liegt unter 1 Mio. US-Dollar, selbst kleine Verkäufe können den Preis komplett abstürzen lassen.

Außerdem verschärften Airdrop-Verschiebungen und Schwächen im Staking-Mechanismus die Vertrauenskrise: Der ursprünglich „bald“ angekündigte Airdrop wurde auf Februar 2026 verschoben. Durch Lücken im Staking-Mechanismus hatten Kleinanleger bei Kursstürzen kaum Fluchtmöglichkeiten. Bemerkenswert: Der Crash von TRADOOR fand zwischen 4 und 5 Uhr morgens chinesischer Zeit statt – die meisten Kleinanleger wachten auf, als der Schaden schon irreparabel war.

„Mitnehmen, was geht“ bleibt das Gebot der Stunde

Wie der Krypto-Trader Ansem bereits auf X schrieb, ist die Hauptphase der Wertakkumulation in der Kryptobranche „im Grunde vorbei“, die allermeisten Tokens („95 % Müll“) werden künftig kaum nachhaltigen Wert erzielen. Wert werden vielmehr Stablecoins sowie die Blockchain-Infrastruktur, die von traditionellen FinTechs wie Stripe, Coinbase, Robinhood auf eigenen Chains gebaut wird, generieren – nicht die meisten aktuellen Token-Projekte.

Deshalb: Auch wenn der Kryptomarkt derzeit eine deutliche Erholung zeigt und gehypte Meme-Coins kurzfristig steigen könnten – Anleger können vielleicht eine „Rallye mitnehmen“. Das heißt aber nicht, dass man sorglos wird oder blind auf das x-Fache Rendite spekulieren sollte – die nächste „kreative Abwärtswelle“ kommt bestimmt. In diesem Umfeld bleibt „Mitnehmen, was geht“ die sicherste Strategie.

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