Brasilien ist nicht nur berühmt für seinen Kaffee und Fußball. Anfang Juli wurde das Land zur Bühne für eine Zusammenarbeit zwischen dem USDT-Emittenten Tether und dem Agrarunternehmen Adecoagro. Die beiden unterzeichneten ein Memorandum of Understanding (MoU), um überschüssige erneuerbare Energie – hauptsächlich Strom aus Zuckerrohrabfällen und Bioenergieanlagen – in “Brennstoff” für das Bitcoin-Mining umzuwandeln.
Das anfängliche Ziel liegt bei 230 MW, genug, um etwa 6,9 EH/s Hashrate zu erzeugen. Wenn diese Zahl erreicht wird, wird sie mehr als 1,5 % der globalen Netzleistung beitragen. Das ist ziemlich viel, insbesondere da der Strom nicht aus Kohle, sondern aus Nebenprodukten von Plantagen stammt.
Adecoagro hat überschüssige Energie an den Spotmarkt verkauft. Allerdings schwanken die Spotpreise oft, während das Bitcoin-Mining einen stabileren Cashflow bietet. Andererseits hat Tether aktiv seinen Mining-Fußabdruck auf erneuerbare Energien verlagert.
Im letzten April übertrug das Unternehmen beispielsweise seine Hashrate an das OCEAN-Protokoll, um eine dezentralere Mining-Struktur zu schaffen. Tether bereitet auch sein eigenes Mining-Betriebssystem vor – es sagt, es wird öffentlich gemacht – um die Effizienz neuer Rigs in Brasilien zu maximieren.
Das ist noch nicht alles, CNF hat zuvor die Arbeit von Tether außerhalb des Mining hervorgehoben. In Sansibar hat das Unternehmen ein weiteres MoU unterzeichnet, um die digitale Vermögensbildung und die Integration von Stablecoins in lokale Zahlungssysteme zu fördern. Diese grenzüberschreitenden Beziehungen sind ein Muster: Tether scheint an dem entscheidenden Punkt zwischen Energie, Finanzen und digitaler Infrastruktur sein zu wollen – drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Was bringt umweltfreundliches Mining, wenn die Technologie weiterhin auf traditionellen, stromhungrigen Clouds basiert? Diese Frage wurde Mitte Mai beantwortet, als Tether QVAC, eine dezentrale KI-Plattform, die direkt auf den Geräten der Benutzer läuft, einführte. QVAC kann Übersetzungen verarbeiten und sogar Bitcoin oder USDT-Zahlungen tätigen, ohne Daten an ein zentrales Zentrum senden zu müssen.
Für Adecoagro ist diese Lösung attraktiv: Sie schürfen nicht nur Coins, sondern könnten auch ein eigenständiges, bandbreiteneffizientes Software-Ökosystem übernehmen.
Das brasilianische Projekt befindet sich jedoch noch in der Entwurfsphase. Das unabhängige Komitee von Adecoagro hat grünes Licht gegeben, aber eine Reihe von technischen Tests, Umweltgenehmigungen und Anpassungen an das lokale Stromnetz müssen noch abgeschlossen werden.
Es gibt auch die Frage der Volatilität von Bitcoin: Was ist, wenn der Preis einbricht, wenn die neuen Geräte online gehen? Die Führungskräfte antworten lässig: “Es gibt immer Marktrisiken, aber die Energie, die verschwendet wurde, hat jetzt einen stetigen Käufer.”
Schließlich wird Biomassekraft immer noch in jeder Mahlsaison erzeugt; die einzigen anderen Optionen bestehen darin, sie zu einem niedrigeren Preis ins Netz zu verkaufen oder die Turbinen abzuschalten.
Auf der anderen Seite ändert sich die öffentliche Meinung. Biomassebasiertes Mining wird als umweltfreundlicher angesehen als riesige gasbetriebene Rechenzentren. Viele Analysten in Brasilien sehen das Tether-Adecoagro-Modell als Blaupause für andere Agrarsektoren mit überschüssiger Elektrizität.
Darüber hinaus könnte Adecoagro, wenn das Projekt erfolgreich ist, Bitcoin zu seiner Bilanz hinzufügen, neben seinen Grundstücksvermögen – eine Art digitales Sparkonto neben seinem Ackerland.