US-Q2-Ergebnissaison startet: Fünf große Banken legen Zahlen vor, während hohe Zinsen und Handelsboom die Ergebnisse antreiben

Märkte
Aktualisiert: 13.07.2026 06:29

Ab dem 14. Juli (Beijing-Zeit) startet offiziell die Berichtssaison für das zweite Quartal bei US-Aktien. Fünf große Banken – JPMorgan Chase (JPM.US), Goldman Sachs (GS.US), Bank of America (BAC.US), Wells Fargo (WFC.US) und Citigroup (C.US) – mit einer gemeinsamen Marktkapitalisierung von nahezu 2 Billionen US-Dollar, veröffentlichen ihre Quartalszahlen am Dienstag. Morgan Stanley (MS.US) und BlackRock (BLK.US) folgen am Mittwoch mit ihren Ergebnissen. Am vergangenen Freitag näherte sich der S&P 500 einem Allzeithoch, der Nasdaq legte in der Woche um 1,74 % zu, und die allgemeine Marktstimmung bleibt positiv.

Diese Berichtssaison findet in einem außergewöhnlich besonderen Umfeld statt: anhaltend hohe Zinsen, sprunghafte Handelsumsätze durch Marktvolatilität sowie eine deutliche Erholung bei M&A- und IPO-Aktivitäten. Diese drei Faktoren bilden das Fundament für das Gewinnwachstum der Bankaktien. Gleichzeitig sorgt geopolitische Unsicherheit – insbesondere durch neue US-Militärschläge gegen Iran – für Verwerfungen bei der Bewertung globaler Risikoanlagen. Die Quartalsberichte der Banken werden nicht nur ihre operative Widerstandsfähigkeit auf die Probe stellen, sondern auch einen entscheidenden Einblick in die Gewinnentwicklung des US-Aktienmarktes bieten.

Ausblick auf die Quartalszahlen: Zweistelliges Wachstum wird zum Konsens

Laut FactSet wird für die Unternehmen im S&P 500 im zweiten Quartal ein Gewinnwachstum von 23,8 % gegenüber dem Vorjahr erwartet, bei einem Umsatzplus von 11,3 %. Die Finanzbranche führt mit einem Gewinnwachstum von 12,6 % alle Sektoren an und hält die Gesamtprofitabilität nahe historischen Höchstständen. Innerhalb dieses makroökonomischen Rahmens werden von den großen Banken folgende Ergebnisse erwartet:

JPMorgan Chase, die weltweit größte Bank nach Marktkapitalisierung, dürfte im zweiten Quartal einen Umsatz von etwa 51,3 Milliarden US-Dollar erzielen – ein Plus von 14,2 % gegenüber dem Vorjahr – sowie einen Gewinn je Aktie (EPS) von 5,49 US-Dollar bei einem Umsatz von rund 48,7 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal erzielte JPMorgan bereits 16,5 Milliarden US-Dollar Nettogewinn, 50,5 Milliarden US-Dollar Umsatz und Rekordwerte beim Handelsgeschäft. Im Fokus steht die Prognose zum Nettozinsertrag (NII): JPMorgan senkte im ersten Quartal die Jahresprognose für den Nettozinsertrag 2026 auf etwa 103 Milliarden US-Dollar. Jede Anpassung dieser Prognose im kommenden Bericht wird sich direkt auf den Aktienkurs auswirken.

Bank of America wird voraussichtlich einen Umsatzanstieg auf 30,7 Milliarden US-Dollar verzeichnen – ein Plus von 16,2 % gegenüber dem Vorjahr – mit einem erwarteten EPS von 1,13 US-Dollar. Laut Zacks-Konsensprognosen sollen die Gewinne der Bank in den Jahren 2026 und 2027 um 17,9 % bzw. 14,3 % gegenüber dem Vorjahr wachsen; beide Prognosen wurden in den vergangenen 30 Tagen nach oben korrigiert.

Goldman Sachs dürfte im zweiten Quartal ein Umsatzwachstum von 12,4 % auf 16,4 Milliarden US-Dollar erzielen, wobei das Gewinnwachstum voraussichtlich über 30 % liegt. Als Maßstab für das Investmentbanking an der Wall Street führt Goldman weiterhin die Ranglisten beim M&A-Beratungsgeschäft an.

Citigroup wird das stärkste Gewinnwachstum aufweisen: Der Gewinn soll um 39 % gegenüber dem Vorjahr steigen, das EPS bei 2,72 US-Dollar liegen und der Umsatz auf 23,68 Milliarden US-Dollar klettern – ein Plus von 9,3 %. Analysten von Jefferies heben die verbesserte Effizienzquote von Citigroup als zentrales positives Merkmal hervor – diese soll sich von 62,7 % im Vorjahr auf 60 % verbessern. Allerdings wird erwartet, dass der Nettozinsertrag im US-Privatkundengeschäft um 5,4 % auf 5,18 Milliarden US-Dollar sinkt.

Wells Fargo rechnet mit einem Gewinnwachstum von 12,3 % und einem Umsatzplus von 4,7 %.

Hochzinsumfeld: Zentrale Stütze für die Ausweitung der Nettozinsmarge

Die US-Notenbank hält ihren Leitzins derzeit im Bereich von 3,50 % bis 3,75 %. Die im Juni veröffentlichte FOMC-Prognose (Dot Plot) zeigt, dass die Medianprognose für den Leitzins 2026 von einer „Zinssenkung" im März auf „mindestens eine Erhöhung" umgeschwenkt ist – der bisherige Kurs der Lockerung wurde also revidiert. Der Zinsmarkt preist nun eine Wahrscheinlichkeit von 70 % für eine Zinserhöhung der Fed im September ein.

Der Übertragungsmechanismus von hohen Zinsen auf die Bankgewinne ist klar und nachvollziehbar: Die Renditen auf der Aktivseite (Kredite, Anleihen) werden mit steigenden Marktzinsen neu festgesetzt, während die Kosten auf der Passivseite (Einlagen) zeitlich hinterherhinken. Diese Ausweitung der Nettozinsmarge (NIM) führt direkt zu höheren Nettozinserträgen. Bank of America Securities stellte bereits fest, dass große US-Banken von der gestiegenen Aktivität an den Kapitalmärkten profitieren und die Quartalsgewinne die Erwartungen übertreffen könnten; JPMorgan und Wells Fargo bieten vor den Quartalszahlen die attraktivsten Ausgangslagen.

Das Hochzinsumfeld bringt jedoch auch abnehmende Erträge mit sich. Steigende Einlagenkosten beginnen, einen Teil der NIM-Gewinne zu schmälern, und die dämpfende Wirkung hoher Zinsen auf die Nachfrage nach Konsumkrediten wird immer deutlicher. Der Rückgang des Nettozinsertrags im US-Privatkundengeschäft von Citigroup um 5,4 % ist ein Paradebeispiel für diese Entwicklung.

Handelsumsätze im Aufschwung: Volatilität und IPO-Aktivität als doppelte Treiber

Sprunghafte Handelsumsätze sind ein weiterer entscheidender Faktor für die Banken in diesem Quartal. Analysten erwarten bei den großen Banken ein Wachstum der Handelserträge von mindestens 15 % gegenüber dem Vorjahr. Die wichtigsten Treiber sind:

Marktvolatilität kurbelt das Handelsgeschäft an. Der KI-Boom, die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran sowie schwankende makroökonomische Daten sorgen für ein äußerst volatiles Handelsumfeld. Volatilität generiert Umsätze für Market Maker und Handelsabteilungen – unabhängig von der Marktrichtung führen höhere Handelsvolumina direkt zu Provisions- und Spread-Einnahmen.

SpaceX-IPO sorgt für einmaligen Gewinnschub. Die führenden Banken, die am SpaceX-IPO beteiligt waren, erzielten rund 500 Millionen US-Dollar an Gebühren. Dieses Mega-IPO brachte nicht nur direkte Einnahmen aus dem Investmentbanking, sondern sorgte auch für deutlich höhere Handelsvolumina und zusätzliche Erlösquellen für die Handelsabteilungen der Banken.

M&A- und IPO-Aktivität setzt Erholung fort. Daten von Dealogic zeigen, dass die weltweiten Umsätze im Investmentbanking im ersten Halbjahr 2026 um 24 % auf 61,4 Milliarden US-Dollar gestiegen sind. JPMorgan hält weiterhin den größten Marktanteil beim Investmentbanking-Umsatz. Anstehende KI-bezogene IPOs (wie OpenAI und Anthropic) dürften das Investmentbanking zusätzlich beflügeln.

Strukturell wird von der Gruppe Investmentbanking und Handel ein Gewinnwachstum von 10,4 % und ein Umsatzplus von 10,7 % erwartet – die meisten Erträge stammen aus dem Kerngeschäft und dem Handel.

Inflationsdaten und Geopolitik: Zusätzliche Variablen für die Berichtssaison

Diese Woche markiert nicht nur den Start der Berichtssaison, sondern auch eine Reihe wichtiger Konjunkturdaten. Der Verbraucherpreisindex (CPI) am 14. Juli (Beijing-Zeit) und der Erzeugerpreisindex (PPI) am 15. Juli liefern aktuelle Einblicke in die US-Inflation. Diese Daten sind entscheidend für die Zinsentscheidung der Fed auf ihrer Sitzung im Juli.

Parallel dazu nehmen die geopolitischen Risiken zu. Am 13. Juli (Beijing-Zeit) starteten die USA eine neue Angriffswelle gegen Iran, und die Marine der Islamischen Revolutionsgarde Irans verkündete die Schließung der Straße von Hormus. In der Folge fielen die US-Aktienindex-Futures auf breiter Front: Stand 13. Juli (Beijing-Zeit) sanken Dow-Futures um 0,2 % bis 0,43 %, S&P 500-Futures um 0,1 % bis 0,57 %, und Nasdaq 100-Futures um 0,05 % bis 0,52 %. Die internationalen Ölpreise stiegen deutlich – US-Rohöl-Futures legten zeitweise um bis zu 3,4 % zu. Die zunehmenden geopolitischen Risiken könnten die Energiepreise weiter nach oben treiben, die Inflationserwartungen befeuern und letztlich den Kurs der Fed beeinflussen – eine Kettenreaktion, die sich auf die NIM-Prognosen und die Kreditkosten der Banken auswirkt.

Kernthemen der Berichtssaison

Zusammenfassend sind in dieser Berichtssaison folgende Aspekte besonders relevant:

Entwicklung der Prognosen zum Nettozinsertrag. Nachdem JPMorgan im ersten Quartal die Jahresprognose für den Nettozinsertrag gesenkt hat, reagiert der Markt sehr sensibel auf jede Veränderung. Sollten die großen Banken die Prognosen erhöhen oder beibehalten, gilt dies als Zeichen dafür, dass das Zinsumfeld weiterhin vorteilhaft für das Bankgeschäft ist. Weitere Senkungen könnten den Markt dazu veranlassen, die negativen Auswirkungen hoher Zinsen (steigende Einlagenkosten, rückläufige Kreditnachfrage) neu zu bewerten.

Nachhaltigkeit der Handelserträge. Der Gewinnschub durch das SpaceX-IPO ist ein einmaliges Ereignis. Entscheidend ist, ob die Kern-Handelserträge auch ohne diesen Sonderfaktor weiter wachsen – dies bestimmt die Qualität der Bankgewinne und die Logik für Neubewertungen.

Struktur des Gebührenwachstums. Das Wachstum der Gebühreneinnahmen aus Investmentbanking (M&A-Beratung, IPO-Emissionsgeschäft) und Vermögensverwaltung spiegelt die tatsächliche Aktivität an den Kapitalmärkten wider. Der von Dealogic gemeldete Anstieg der Investmentbanking-Umsätze um 24 % im ersten Halbjahr muss sich im zweiten Quartal fortsetzen, um eine nachhaltige Erholung der Kapitalmärkte zu signalisieren.

Entwicklung der Kreditqualität im Privatkundengeschäft. In einem Hochzinsumfeld sind Konsumausgaben und Kreditqualität zentrale Risikofaktoren auf der Aktivseite. Steigen die Ausfallraten bei Kreditkarten oder die Rückstellungen für Kreditausfälle stärker als erwartet, könnten sie die positiven Effekte der Handelserträge zunichtemachen.

Fazit

Die US-Berichtssaison für das zweite Quartal beginnt mit einer Welle von Zahlen großer Banken. Hohe Zinsen und sprunghafte Handelserträge treiben das Gewinnwachstum an. Für den S&P 500 wird ein Gesamtgewinnwachstum von etwa 23,8 % erwartet, die Finanzbranche führt mit 12,6 %. Die Ergebnisse von JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Bank of America und Morgan Stanley werden nicht nur ihre operative Stärke testen, sondern auch als wichtige Indikatoren für den übergeordneten US-Gewinntrend dienen.

Steigende geopolitische Risiken (zunehmende Spannungen zwischen den USA und Iran), Unsicherheit bei den Inflationsdaten (mit bevorstehenden CPI- und PPI-Veröffentlichungen) sowie gleichzeitiger Druck auf den Kryptomarkt sorgen für einen komplexen Hintergrund bei der Bewertung von Risikoanlagen. Ob die Bankgewinne inmitten dieser vielfältigen Unsicherheiten klare Orientierung bieten können, hängt von der Entwicklung der NII-Prognosen, der Nachhaltigkeit der Handelserträge und dem Ausblick des Managements auf die Wirtschaft ab. Für Investoren liegt der eigentliche Wert dieser Berichtssaison nicht darin, die Zahlen des letzten Quartals zu bestätigen, sondern darin, Signale für die Trends der kommenden Quartale zu entschlüsseln.

FAQ

F1: Wann startet die US-Berichtssaison für das zweite Quartal und welche Banken berichten zuerst?

Die Berichtssaison für das zweite Quartal in den USA beginnt offiziell am 14. Juli (Beijing-Zeit). JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Bank of America, Wells Fargo und Citigroup veröffentlichen ihre Berichte gemeinsam am Dienstag, Morgan Stanley und BlackRock folgen am Mittwoch.

F2: Warum stehen die Quartalszahlen der Banken im Fokus des Marktes?

Bankaktien sind die Leitindikatoren der Berichtssaison – ihre Ergebnisse spiegeln Veränderungen der Nettozinsmargen im Hochzinsumfeld, Aktivitäten an den Kapitalmärkten (Handelserträge, Investmentbanking-Gebühren) und die Kreditqualität im Privatkundengeschäft wider. In dieser Saison kommt zudem ein einmaliger Gewinnschub durch das SpaceX-IPO hinzu.

F3: Sind hohe Zinsen gut oder schlecht für die Bankgewinne?

Hohe Zinsen steigern kurzfristig die Nettozinserträge der Banken durch eine Ausweitung der Nettozinsmarge – das ist positiv. Langfristig können hohe Zinsen jedoch die Kreditnachfrage dämpfen, die Einlagenkosten erhöhen und das Ausfallrisiko steigen lassen. Der Markt achtet darauf, ob sich die Prognosen zum Nettozinsertrag verändern.

F4: Was sind die größten Unsicherheiten dieser Berichtssaison?

Zwei zentrale Unsicherheiten: Erstens könnten die am 14. Juli (Beijing-Zeit) veröffentlichten CPI-Daten die Erwartungen für Zinserhöhungen der Fed beeinflussen. Zweitens könnten die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Iran die Energiepreise und die globale Risikobereitschaft beeinflussen. Beide Faktoren wirken sich über Zinspfad und Risikoprämien auf die Bewertung von Bankaktien aus.

The content herein does not constitute any offer, solicitation, or recommendation. You should always seek independent professional advice before making any investment decisions. Please note that Gate may restrict or prohibit the use of all or a portion of the Services from Restricted Locations. For more information, please read the User Agreement

Teilen

sign up guide logosign up guide logo
sign up guide content imgsign up guide content img
Sign Up
Log In