Grayscales ausführlicher Bericht: Hat der „Trump-Bullenmarkt" seine Kraft verloren? Ist die Vier-Jahres-Zyklus-Theorie bei Bitcoin überholt?

Märkte
Aktualisiert: 20.07.2026 14:34
  1. Juli 2026, laut Marktdaten von Gate liegt der Bitcoin-Kurs bei 64.500 USD. Dieses Niveau entspricht einem Rückgang von fast 50 % gegenüber dem Allzeithoch von 126.198 USD im Oktober 2025, dennoch hält sich Bitcoin deutlich über der Marke von 60.000 USD.

Der Markt befindet sich an einem sensiblen Wendepunkt. Die traditionelle Theorie des „vierjährigen Bitcoin-Zyklus" – die besagt, dass die Kurse 12 bis 18 Monate nach jedem Halving ihren Höchststand erreichen, gefolgt von einer starken Korrektur – scheint zu bröckeln. Grayscale, der weltweit größte Verwalter digitaler Vermögenswerte, erklärte in seinem Ausblicksbericht für 2026 ausdrücklich: Die Erzählung vom ‚Vierjahreszyklus‘ der Kryptowährungen geht zu Ende.

Gleichzeitig gewinnt die Erzählung vom „Trump-Bullenmarkt" als neuer Marktkonsens an Bedeutung. Von präsidialen Erlassen zu strategischen Bitcoin-Reserven bis hin zu öffentlichen Äußerungen über eine mögliche Aufnahme von Bitcoin in „Trump-Konten" – politische Variablen verändern das Angebot-Nachfrage-Gefüge grundlegend. Ist der Vierjahreszyklus tatsächlich vorbei? Kann der Trump-Faktor zum Haupttreiber der nächsten Marktphase werden?

Was ist die historische Grundlage der Vierjahreszyklus-Theorie?

Die Theorie des „vierjährigen Bitcoin-Zyklus" basiert auf dem Mechanismus der Block-Reward-Halbierung. Alle 210.000 Blöcke (etwa alle vier Jahre) halbiert das Bitcoin-Netzwerk die Belohnung für Miner, was historisch eine Kettenreaktion aus Angebotsverknappung und Kurssteigerungen ausgelöst hat.

Die Daten der letzten drei Zyklen stützten diese Erzählung. Die Hausse 2013 wurde durch den Aufstieg zentralisierter Börsen und den Zustrom chinesischer Miner befeuert. Der Zyklus 2017 wurde von der ICO-Welle und dem Aufstieg von Ethereum getragen. Der Zyklus 2021 vereinte die globale Liquidität nach der Pandemie, den Einstieg institutioneller Anleger und neue, dynamische Narrative wie DeFi und NFTs.

In jedem Zyklus erreichte Bitcoin 12 bis 18 Monate nach dem Halving einen zyklischen Höchststand, dem eine deutliche Korrektur folgte. Nach diesem Muster hätte das vierte Halving im April 2024 (Reduzierung der Blockbelohnung auf 3,125 BTC) Bitcoin zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 auf 150.000 bis 200.000 USD treiben sollen. Tatsächlich erreichte Bitcoin im Dezember 2024 rund 120.000 USD und ging anschließend in eine Phase der Volatilität und Konsolidierung über.

Das „Auseinanderbrechen" des Zyklus hat im Markt für große Verunsicherung gesorgt und zu Grayscales zentraler Einschätzung geführt.

Warum glaubt Grayscale, dass der Vierjahreszyklus endet?

Im Bericht „2026 Digital Asset Outlook" von Grayscale werden drei zentrale Belege für das Ende des Vierjahreszyklus angeführt.

Erstens: Strukturelle Veränderungen bei den Kapitalzuflüssen institutioneller Anleger. In früheren Zyklen lag der jährliche Zugewinn von Bitcoin bei über 1.000 %, angetrieben von Privatanlegern, die Kursanstiegen nachjagten. In diesem Zyklus lag der maximale Jahresgewinn bei etwa 240 % (Stand März 2024). Dieser Unterschied ist nicht auf Marktschwäche zurückzuführen, sondern spiegelt das stabilere Kaufverhalten institutioneller Anleger wider – sie investieren strategisch langfristig und orientieren sich nicht an kurzfristigen technischen Zyklen; ein „Ablauf des Vierjahreszyklus" ist für sie kein Verkaufsgrund.

Zweitens: Grundlegende Verbesserung des regulatorischen Umfelds. In der Vergangenheit fielen zyklische Einbrüche oft mit regulatorischen Eingriffen oder großen Skandalen zusammen. Die Lage 2026 ist grundlegend anders: In den USA wurde der Stablecoin GENIUS Act verabschiedet, eine parteiübergreifende Gesetzgebung zur Krypto-Marktstruktur steht bevor, und die SEC setzt verstärkt auf Zusammenarbeit mit der Branche statt auf Klagen. Diese regulatorische Klarheit gibt Institutionen Sicherheit für langfristige Allokationen.

Drittens: Diversifizierung der Kanäle für Kapitalzuflüsse. Frühere Zyklen beruhten vor allem auf Käufen von Privatanlegern über Börsen; bei Stimmungsumschwung floss das Kapital rasch wieder ab. 2026 strömt Kapital stetig über Spot-ETPs, Vermögensverwalter nehmen Krypto-Assets in Modellportfolios auf, und führende Institutionen wie das Harvard Management Company und Abu Dhabi Staatsfonds investieren in Krypto-ETPs. Bis Ende Mai 2026 verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse von über 150 Milliarden USD und hielten gemeinsam fast 1,3 Millionen BTC – etwa 6,5 % des gesamten Umlaufs.

Grayscale zieht das Fazit: 2026 markiert das Ende des „offensichtlichen Vierjahreszyklus", und Bitcoin könnte im ersten Halbjahr sein Allzeithoch übertreffen.

Wie unterscheiden sich die Erwartungen des Mainstreams von Grayscale?

Grayscale steht mit dieser Einschätzung nicht allein. Auch Bitwise prognostiziert, dass Bitcoin den Vierjahreszyklus durchbrechen und 2026 neue Rekorde aufstellen wird. Bitwise-CIO Matt Hougen stellt fest, dass der historische Vierjahreszyklus „deutlich an Bedeutung verliert" und die Volatilität von Bitcoin erstmals unter der von Nvidia liegen könnte. 21Shares formuliert es noch deutlicher: „Der Vierjahreszyklus von Bitcoin ist gebrochen."

Es gibt jedoch auch abweichende Meinungen.

Fidelity weist darauf hin, dass Bitcoin seit 2011 etwa alle vier Jahre Höchst- und Tiefststände im Bullenmarkt ausgebildet hat. Das letzte Bärenmarkt-Tief war im November 2022; hält der Zyklus an, könnte das nächste Tief um November 2026 auftreten. Führungskräfte von Fidelity Labs glauben, dass Bitcoin sich vom Vierjahreszyklus zu einem „Superzyklus" entwickelt, der durch länger anhaltende Hochs und flachere Korrekturen gekennzeichnet ist.

Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Digital, analysierte die historischen Hochs und Tiefs von Bitcoin und stellte fest, dass der Vierjahreszyklus eng mit der Kursentwicklung verknüpft ist, die Volatilität jedoch abnimmt – von Rückgängen von 85 % und 84 % in den frühen Zyklen auf 77 % im Jahr 2022 und 51 % im Jahr 2026. Galaxy prognostiziert, dass das aktuelle Zyklustief noch nicht erreicht ist.

Der Kern dieser Debatte lautet: Ist die Zyklizität von Bitcoin strukturell (durch das Halving und Angebotsverknappung getrieben) oder narrativ (durch neue Nachfragetreiber in jedem Zyklus bestimmt)?

Ist sie strukturell, wird der Vierjahreszyklus nicht wirklich enden – er wird lediglich „geglättet", mit geringerer Volatilität und längerer Dauer. Ist sie narrativ, hängt das Fortbestehen des Zyklus davon ab, ob 2026 ein neuer Nachfragetreiber stark genug ist, um das Halving-Narrativ zu ersetzen.

Wie verändert institutionelles Kapital die Preisbildung von Bitcoin?

Der Bericht von Grayscale betont eine zentrale Erkenntnis: Der strukturelle Wandel bei den Marktteilnehmern verändert die Preisbildung von Bitcoin grundlegend.

Historisch wurde der Bitcoin-Kurs von der Stimmung der Privatanleger dominiert. Deren Jagd nach Kursanstiegen und Panikverkäufe verstärkten das Halving-Narrativ und schufen das standardisierte Drehbuch „Halving – Kurssprung – FOMO – Crash". Mit dem schrittweisen Übergang des Kapitals von Privatanlegern zu Institutionen ändern sich die Verhaltensmuster grundlegend.

Institutionelles Kapital weist mehrere Besonderheiten auf. Erstens: Allokationsgetrieben statt emotionsgetrieben. Pensionsfonds, Versicherungen und Family Offices integrieren Krypto-Assets in Modellportfolios; Kauf- und Verkaufsentscheidungen erfolgen auf Basis von Allokationsmodellen, nicht nach Marktsentiment. Zweitens: Langfristiges Halten statt kurzfristigem Trading. Interne Daten von BlackRock zeigen, dass über 60 % der IBIT-Kunden Pensionsfonds, Versicherungen und Family Offices sind – also langfristig orientiertes Kapital mit sehr geringer Umschlagshäufigkeit. Drittens: Stetige Zuflüsse statt impulsiver Ein- und Ausstiege. Diese strukturelle, anhaltende Kaufkraft glättet extreme Kursschwankungen.

Noch entscheidender: Der Einstieg von Institutionen erfolgt unabhängig vom Halving-Zyklus. Ihre Gründe für Bitcoin-Investments sind das steigende Risiko einer Dollar-Abwertung, die Suche nach alternativen Wertspeichern und die zunehmende regulatorische Klarheit, die das Vertrauen in die Einhaltung von Vorschriften stärkt. Grayscale hebt hervor, dass die wachsende Staatsverschuldung der USA die langfristige Glaubwürdigkeit des Dollars als Wertspeicher untergräbt, während das transparente, programmierte und letztlich knappe Angebot von Bitcoin von Institutionen zunehmend als Gegengewicht zum Fiat-Risiko gesehen wird.

Wenn sich die Preislogik von „Halving-Narrativ" zu „Makro-Hedging + Asset-Allokation" verschiebt, verlieren die Zwänge des Vierjahreszyklus zwangsläufig an Bedeutung.

Hat die Erzählung vom „Trump-Bullenmarkt" eine fundamentale Basis?

Auf der politischen Ebene gewinnt die Erzählung vom „Trump-Bullenmarkt" an Konsens. Im März 2025 unterzeichnete Trump einen präsidialen Erlass, der den Verkauf der Bitcoin-Bestände der Bundesregierung untersagt. Im Juli 2026 erklärte er öffentlich: „Ich bin jetzt ein großer Unterstützer von Kryptowährungen" und deutete an, dass Bitcoin als Anlageoption in „Trump-Konten" aufgenommen werden könnte.

Diese politischen Signale gehen über kurzfristige Kursbewegungen hinaus. Ein vierjähriges Verbot einer von den USA ausgegebenen digitalen Zentralbankwährung (CBDC) trat automatisch mit dem Wohnungsbaugesetz in Kraft. Sollten „Trump-Konten" künftig offiziell Bitcoin enthalten, wäre das politische Signal weitaus bedeutender als das tatsächlich investierte Kapital – es würde bedeuten, dass die US-Regierung Bitcoin als Instrument zur nationalen Vermögensbildung offiziell anerkennt.

Standard Chartered hält an seiner Bitcoin-Kursprognose fest: 500.000 USD, bevor Trump das Amt verlässt. TD Cowen prognostiziert für Ende 2026 einen Bitcoin-Kurs von etwa 177.000 USD und für Ende 2027 von 226.000 USD.

Der „Trump-Bullenmarkt" ist jedoch nicht frei von Risiken. Der Erlass zu strategischen Bitcoin-Reserven versprach „nicht zu verkaufen", aber nicht „zu kaufen". Die Erwartungen des Marktes waren höher; als die Details des Erlasses bekannt wurden, fiel der Bitcoin-Kurs sofort um 5,7 %. Die Umsetzung der Politik steht weiterhin vor Hürden wie Kongressgesetzgebung und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Ob sich der „Trump-Bullenmarkt" tatsächlich entfaltet, hängt davon ab, ob politische Signale in reale institutionelle Käufe münden – womit wir wieder bei Grayscales Kernaussage wären: Reichen anhaltende institutionelle Kapitalzuflüsse aus, um den nachlassenden Effekt des Halvings auszugleichen?

Welches neue Paradigma erwartet Bitcoin nach dem Ende des Vierjahreszyklus?

Sollte Grayscales Einschätzung zutreffen, tritt der Bitcoin-Markt nach dem Ende des Vierjahreszyklus in ein völlig neues Paradigma ein.

Die Kursschwankungen werden weiter abnehmen. Bitwise prognostiziert, dass die Volatilität von Bitcoin erstmals unter der von Nvidia liegen wird. Auch Daten von Galaxy Digital zeigen, dass die Rückgänge von Höchst- zu Tiefstständen stetig schrumpfen. Das bedeutet, dass Bitcoin sein Image als „High-Beta-Tech-Aktie" allmählich ablegt und sich zu einem „reifen Makro-Asset" entwickelt.

Die Preisanker verschieben sich vom Halving zu makroökonomischen Variablen. Der Bitcoin-Kurs wird zunehmend von Dollar-Liquidität, Realzinsen, Haushaltsdefiziten und anderen makroökonomischen Faktoren bestimmt – und nicht mehr nur vom Halving-Kalender. Grayscales Bericht betont, dass beide vorherigen zyklischen Höchststände mit Zinserhöhungen der Fed zusammenfielen, während für die aktuelle und die 2026er Prognose ein Lockerungszyklus der Fed erwartet wird.

Die Marktstruktur verschiebt sich von ‚privatanlegergetrieben‘ zu ‚institutionell getrieben‘. Spot-ETFs und Unternehmensschatzmeister sind im Zyklus 2024–2026 die wichtigsten neuen Käufer. Bis Ende Mai 2026 hielten US-Spot-Bitcoin-ETFs gemeinsam fast 1,3 Millionen BTC. Dieser strukturelle Kapitalzufluss wird nicht durch technische Zyklustheorien unterbrochen.

Natürlich sind Zyklen nicht völlig verschwunden – die Emotionen von Angst und Gier bleiben als Antrieb erhalten. Doch die Form des Zyklus ändert sich: längere Hochphasen, flachere Korrekturen und vielfältigere Treiber.

Fazit

Grayscales Einschätzung vom Ende des Vierjahreszyklus bei Bitcoin stützt sich auf drei Säulen: strukturelle Veränderungen beim institutionellen Kapital, ein verbessertes regulatorisches Umfeld und diversifizierte Kanäle für Kapitalzuflüsse. Institutionen wie Bitwise und 21Shares teilen diese Sicht in unterschiedlicher Ausprägung, während Fidelity und Galaxy Digital vorsichtiger bleiben.

Unabhängig davon, ob der Vierjahreszyklus tatsächlich „endet", steht eines fest: Die Preisbildung von Bitcoin verschiebt sich von halving-getriebenen Narrativen hin zu institutioneller Allokation und makroökonomischen Einflussfaktoren. In diesem neuen Paradigma liefert die Erzählung vom „Trump-Bullenmarkt" politische Fantasie, doch ihre Umsetzung hängt von regulatorischer Implementierung und dem Tempo der realen institutionellen Zuflüsse ab.

Am 20. Juli 2026 wird Bitcoin auf der Gate-Plattform mit 65.000 USD notiert. Dieser Kurs liegt unter den überhitzten Erwartungen zyklischer Höchststände, aber deutlich über dem Pessimismus vergangener Tiefpunkte – er könnte die Bewertung des Marktes an der Schnittstelle von altem und neuem Paradigma widerspiegeln.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

F: Ist der Vierjahreszyklus von Bitcoin wirklich vorbei?

Der Ausblicksbericht von Grayscale für 2026 stellt diese Behauptung ausdrücklich auf und argumentiert, dass strukturelle institutionelle Zuflüsse, ein verbessertes regulatorisches Umfeld und diversifizierte Kapitalströme den traditionellen, vom Halving getriebenen Zyklus obsolet machen. Institutionen wie Fidelity glauben jedoch, dass der Zyklus nicht völlig verschwunden ist – seine Ausprägung könnte sich lediglich verändern.

F: Was prognostiziert Grayscale für Bitcoin im Jahr 2026?

Grayscale hat keine konkrete Kursprognose abgegeben, stellt aber klar, dass Bitcoin mit hoher Wahrscheinlichkeit im ersten Halbjahr 2026 sein Allzeithoch übertreffen wird.

F: Was ist die Kernlogik hinter dem „Trump-Bullenmarkt"?

Die Kernlogik umfasst: Trumps präsidialen Erlass zu strategischen Bitcoin-Reserven (Verkaufsverbot), öffentliche Äußerungen zur Unterstützung von Kryptowährungen und die politische Erwartung, dass „Trump-Konten" Bitcoin enthalten könnten. Diese politischen Signale geben Institutionen das nötige Vertrauen für Investitionen.

F: Wie beeinflusst institutionelles Kapital die Zyklizität von Bitcoin?

Institutionelles Kapital ist allokationsgetrieben, langfristig orientiert und fließt stetig. Sein Verhalten unterscheidet sich grundlegend von der Jagd nach Kursanstiegen und Panikverkäufen der Privatanleger. Diese strukturelle Kaufkraft glättet extreme Kursschwankungen und schwächt den zyklischen Einfluss von Halvings ab.

F: Wie lautet der aktuelle Bitcoin-Kurs?

Am 20. Juli 2026 wird Bitcoin laut Gate-Marktdaten mit 64.600 USD notiert.

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