Am 23. Juli machte Goldman Sachs deutlich, dass die aktuelle Rallye im Halbleitersektor voraussichtlich anhalten wird. Hintergrund dieser Einschätzung ist, dass Hedgefonds seit Mitte Juni etwa 80 % ihrer seit Jahresbeginn aufgebauten Netto-Käufe in globalen Halbleiter- und Halbleiterausrüstungsaktien abgebaut haben, was zu einer deutlichen Reduzierung zuvor überfüllter Positionen führte. In den vergangenen Tagen begann Kapital wieder zurückzufließen, und Goldman Sachs geht davon aus, dass diese Nachfrage anhalten könnte.
Die konzentriertesten Käufe entfielen auf die beiden Segmente, die zuvor die stärksten Korrekturen verzeichneten: Speicherchips und Halbleiterausrüstung. Besonders auffällig war das jüngste Kaufinteresse bei Speicheraktien wie Seagate Technology (STX), Western Digital (WDC), Micron Technology (MU) und SanDisk (SNDK) sowie bei Ausrüstungsaktien wie Applied Materials (AMAT), ASML Holding (ASML) und Lam Research (LRCX).
Diese Kapitalbewegungen spiegeln die aktuellen Marktentwicklungen wider. Nachdem KI- und Chipaktien unter anhaltendem Druck standen, erholten sich Speicherwerte wie Micron, SanDisk und Seagate deutlich, und auch der Philadelphia Semiconductor Index (SOX) verzeichnete eine kräftige Erholung. Nach einer Phase „aggressiver Entschuldung" im Halbleitersektor stellt sich die Frage, warum Kapital nun gezielt in Speicher- und Ausrüstungswerte zurückfließt. Welche zentralen Faktoren entscheiden über die Nachhaltigkeit dieser Erholung? Der folgende Beitrag analysiert diese Fragen systematisch anhand der aktuellen Positionierungsdaten von Goldman Sachs, der Preisentwicklung bei Speicherchips und der Logik hinter den Investitionen in KI-Infrastruktur.
Halbleiter-Positionierung: Extreme Überfüllung abgebaut, schnelle Entschuldung weitgehend abgeschlossen
Um die Hintergründe der aktuellen Kapitalzuflüsse zu verstehen, ist es wichtig, die Ursachen der vorherigen Korrektur im Halbleitersektor zu klären.
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten KI-Chip-Aktien einen starken Anstieg, das Kapital war stark auf den Halbleitersektor konzentriert. Laut Goldman Sachs lag die Netto-Allokation in globale Halbleiter- und Ausrüstungsaktien zu Jahresbeginn bei etwa 10 % des globalen Prime Books und stieg bis Juni auf ein historisches Hoch von rund 24 %. Für US-Halbleiter- und Ausrüstungsaktien erhöhte sich die Netto-Allokation von etwa 7 % zu Jahresbeginn auf rund 14 % im Juni.
Eine derart extreme Konzentration bedeutet, dass bereits geringfügige Veränderungen der Marktstimmung eine Welle von Gewinnmitnahmen auslösen können. Der Halbleitersektor durchlief daraufhin einen drastischen Entschuldungsprozess – Hedgefonds reduzierten ihre Bestände in großem Umfang, und zuvor überfüllte Long-Positionen wurden massiv abgebaut.
Bis zum 23. Juli ist die Netto-Allokation in globale Halbleiter- und Ausrüstungsaktien vom Juni-Hoch auf etwa 19 % gefallen, liegt damit aber immer noch beim 84. Perzentil auf Sicht von einem Jahr und beim 97. Perzentil auf Sicht von fünf Jahren. Die Netto-Allokation für US-Halbleiter- und Ausrüstungsaktien ist auf rund 11 % zurückgegangen, was dem 79. Perzentil auf ein Jahr und dem 96. Perzentil auf fünf Jahre entspricht.
Goldman Sachs interpretiert diese Daten dahingehend, dass die Positionierung im Halbleitersektor noch nicht „günstig" ist, die schnelle Entschuldung jedoch weitgehend abgeschlossen scheint. Das deutet darauf hin, dass – sofern die anstehenden Quartalsberichte und die Investitionsprognosen für KI-Infrastruktur nicht weiter enttäuschen – ein Teil des Kapitals voraussichtlich in die am stärksten korrigierten, aber fundamental gestützten Segmente zurückkehren wird.
Im größeren Zusammenhang hatte Goldman Sachs bereits zuvor darauf hingewiesen, dass Investoren US-Technologiewerte, insbesondere die „Big Seven", untergewichten und stattdessen den Halbleitersektor bevorzugen, der von KI-Investitionen profitiert. Diese mittel- bis langfristige Allokationslogik bleibt trotz kurzfristiger Anpassungen bestehen.
Speicherchips: „Starre Nachfrage" durch Ausbau von KI-Rechenzentren
Speicherchips sind das erste Segment, das wieder Kapitalzuflüsse verzeichnet – gestützt durch eine klare Branchendynamik.
Der Ausbau der Rechenleistung in KI-Rechenzentren erfordert nicht nur GPUs und andere Rechenchips, sondern auch entsprechende Speicherkapazitäten. Mit zunehmender Größe der KI-Modelle steigt der Bedarf an Rechenleistung, was wiederum die Nachfrage nach Hochleistungs-Speicher (HBM), DRAM und NAND-Flash erhöht.
Diese Logik schlägt sich bereits in konkreten Ergebnissen nieder. Die Speicherbranche ist stark zyklisch, und die zentrale Marktdiskussion dreht sich um die Frage, ob die KI-Nachfrage die Nachfrageseite dauerhaft verschiebt. Aktuelle Daten zeigen, dass das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bei Speicherchips angespannt bleibt. Im zweiten Quartal 2026 haben sich die Preise für LPDDR4 und LPDDR5 gegenüber dem vierten Quartal 2025 verdoppelt, mit Einzelquartalssteigerungen von etwa 58 % bis 63 %. Am 21. Juli überschritten die Preise für DDR5 16G (2Gx8) 4800/5600 erstmals die 50-Dollar-Marke und erreichten 50,07 US-Dollar; DDR4 16Gb (2Gx8) 3200 stiegen auf 81,20 US-Dollar – beide stellten neue Rekordhöhen dar.
Auch auf der Angebotsseite zeigen sich Engpässe. SK Hynix-Vorstandschef Chey Tae-won erklärte kürzlich, dass die Nachfrage nach KI-Halbleitern im kommenden Jahr voraussichtlich um 60 % bis 100 % gegenüber dem Vorjahr wachsen werde, während die Gesamtnachfrage nach Speicherhalbleitern um 50 % bis 60 % zulegen dürfte. Er warnte zudem, dass sich das KI-getriebene Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Halbleitern im kommenden Jahr weiter vergrößern und den Preisdruck auf Speicherprodukte aufrechterhalten werde.
Der leitende Analyst für Schlüsselkomponenten bei CITIC Securities betonte, dass der starke Preisanstieg bei Speicherchips und die anhaltende KI-Nachfrage in Rechenzentren die Produktionskapazitäten für fortschrittlichen Flash und Speicher verdrängen und einen branchenweiten Engpass verursachen, der mindestens bis 2028 anhalten dürfte. Auch Morgan Stanley teilt diese Einschätzung und erwartet ein angespanntes Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei Speicherchips bis mindestens 2028.
Auch an der Börse zeigen Speicherwerte die stärkste Erholung. Am 21. Juli (UTC+8) setzten US-Speicheraktien ihren Höhenflug fort: Micron Technology stieg um 10,17 %, SK Hynix legte um 11,18 % zu, SanDisk gewann 11,86 %, Western Digital sprang um 12,67 % nach oben und Seagate Technology verbesserte sich um 10,42 %. Goldman Sachs erhöhte parallel die Kursziele für mehrere Speichergrößen, etwa für SanDisk von 1.200 auf 2.200 US-Dollar und für Western Digital von 400 auf 650 US-Dollar.
Halbleiterausrüstung: Die „Pick-and-Shovel"-Logik des Fab-Ausbaus
Halbleiterausrüstung ist das zweite große Segment, das wieder Kapitalzuflüsse verzeichnet – getragen von einer klaren Logik: Der Ausbau der Chipproduktion führt zu höheren Investitionen in Fertigungsanlagen und damit zu steigenden Ausrüstungsaufträgen.
Die starke Nachfrage nach KI-Chips treibt weltweit neue Ausbauzyklen bei Halbleiterfabriken („Fabs") an. Ob Logikchips, Speicherchips oder Leistungshalbleiter – sämtliche Kapazitätserweiterungen erfordern zentrale Fertigungstechnologien wie Lithografieanlagen, Ätzmaschinen und Dünnschichtabscheider. ASML nimmt als weltweit einziger Anbieter von EUV-Lithografiesystemen eine unersetzliche Rolle in diesem Zyklus ein.
Die Handelsabteilung von Goldman Sachs beobachtete zuletzt signifikante Käufe bei Ausrüstungsaktien – Applied Materials, ASML und Lam Research standen allesamt auf der Liste. Diese drei Unternehmen decken jeweils unterschiedliche Schlüsselbereiche der Halbleiterfertigung ab: Applied Materials ist auf Materialtechnik und Abscheideanlagen spezialisiert, Lam Research auf Ätz- und Abscheidetechnologien, und ASML dominiert den Markt für fortschrittliche Lithografie.
Fundamental bleiben Ausrüstungsaktien durch starke Ergebnisse gestützt. ASML erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Nettogewinn von 2,92 Milliarden Euro und unterstrich damit die hohe Profitabilität. Der Aktienkurs von Applied Materials ist in den vergangenen 52 Wochen um 187,59 % gestiegen. Analysten empfehlen Applied Materials weiterhin als „Strong Buy", das durchschnittliche Kursziel liegt bei 623,06 US-Dollar und bietet damit rund 12,5 % Aufwärtspotenzial gegenüber dem aktuellen Kurs.
Goldman Sachs hatte das Kursziel für Applied Materials zuvor von 520 auf 645 US-Dollar angehoben. Diese Aufwärtsrevision spiegelt die optimistische Einschätzung der Analysten für die Nachfrage nach Halbleiterausrüstung wider – der Fab-Ausbauzyklus ist noch nicht abgeschlossen, und das Wachstum der Ausrüstungsaufträge dürfte anhalten.
Kann die Erholung anhalten? Drei zentrale Einflussfaktoren
Die jüngsten Kommentare von Goldman Sachs heben drei entscheidende Faktoren hervor, die darüber bestimmen, ob die Rallye im Halbleitersektor nachhaltig ist.
Erstens: Werden die Cloud-Anbieter ihre Investitionsprognosen für KI weiter anheben? Die Investitionspläne von Alphabet, Meta, Microsoft und Amazon gelten als „Deckel" für die Nachfrage nach Halbleitern. Aktuelle Daten zeigen, dass Alphabet seine Investitionsprognose für 2026 von 180–190 Milliarden auf 195–205 Milliarden US-Dollar erhöht hat, der Mittelwert liegt nun bei 200 Milliarden US-Dollar, und für 2027 wird weiteres Wachstum erwartet. Zusammengenommen könnten die vier Cloud-Giganten 2026 mehr als 725 Milliarden US-Dollar investieren. Solange dieser Aufwärtstrend anhält, bleibt die Nachfrage nach Halbleitern auf der Nachfrageseite grundsätzlich gesichert.
Zweitens: Können Speicherpreise und Aufträge die Gewinnerwartungen stützen? Die Kursgewinne von Speicherwerten wie Micron und SanDisk müssen sich letztlich in der Unternehmensperformance widerspiegeln. Während die Preise für Speicherchips weiterhin steigen, braucht der Markt nachhaltige Auftragseingänge und stabile Preise. Sollten die Preise nachgeben oder das Auftragswachstum nachlassen, geraten die Bewertungen der Speicherwerte erneut unter Druck.
Drittens: Können die Aufträge für Ausrüstungsaktien bestätigen, dass der Ausbau der KI-Rechenzentren weiterläuft? Die Entwicklung der Ausrüstungsaktien ist der direkteste „Beweis" für den Fab-Ausbau. Wenn Unternehmen wie ASML und Applied Materials weiterhin Auftragsdaten und Prognosen vorlegen, die die Erwartungen übertreffen, bestätigt dies den anhaltenden Ausbau der KI-Rechenzentren und bietet dem gesamten Halbleitersektor eine fundamentale Unterstützung.
Fazit
Der Halbleitersektor hat eine drastische Anpassung von extremer Überfüllung hin zu schneller Entschuldung durchlaufen – Hedgefonds haben rund 80 % der Netto-Käufe seit Jahresbeginn abgebaut. Auch wenn die Positionierung noch nicht wieder auf „günstigem" Niveau ist, hat sich die extreme Überfüllung deutlich abgebaut. Vor diesem Hintergrund beginnt Kapital, wieder in die beiden Segmente zurückzufließen, die zuvor die stärksten Korrekturen erlebt haben: Speicherchips und Halbleiterausrüstung.
Speicherchips profitieren von der starren Nachfrage nach HBM, DRAM und NAND, die durch KI-Rechenzentren getrieben wird, sowie von kapazitätsseitigen Engpässen, die die Preise weiter steigen lassen. Halbleiterausrüstung wird vom anhaltenden Fab-Ausbauzyklus getragen, mit einem klaren Trend zu steigenden Ausrüstungsaufträgen.
Die Nachhaltigkeit der Erholung bleibt jedoch offen. Ob die Cloud-Anbieter ihre Investitionen in KI weiter erhöhen, ob Speicherpreise und Aufträge die Gewinnerwartungen stützen und ob die Aufträge für Ausrüstungsaktien den weiteren Ausbau der KI-Rechenzentren bestätigen – diese drei Variablen entscheiden, ob es sich bei der aktuellen Rallye nur um eine kurzfristige technische Erholung oder um eine fundamentale Neubewertung handelt.
Am 23. Juli (UTC+8) notierte Bitcoin am Kryptomarkt bei 66.188,99 US-Dollar, ein Minus von 0,32 % innerhalb von 24 Stunden; Ethereum lag bei 1.947,90 US-Dollar, ein Plus von 1,31 %. Die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen belief sich auf rund 2,33 Billionen US-Dollar. Auch wenn Halbleiterrallye und Krypto-Volatilität unterschiedlichen Anlageklassen zuzuordnen sind, spiegeln beide einen Neubewertungsprozess globaler Risikoanlagen unter makroökonomischer Unsicherheit wider. Für Anleger ist es langfristig wertvoller, die Logik hinter Kapitalströmen zwischen Sektoren zu verstehen, als kurzfristigen Preisschwankungen nachzujagen.
FAQ
F: Warum haben sich Halbleiteraktien zuletzt erholt?
Zuvor führten anhaltende Kursgewinne bei KI-Chip-Aktien zu einer extrem konzentrierten Positionierung im Halbleitersektor, gefolgt von Gewinnmitnahmen und Anpassungen, als institutionelles Kapital Positionen abbaute. Nachdem Hedgefonds etwa 80 % der Netto-Käufe zurückgegeben haben, hat sich die extreme Überfüllung abgebaut. Goldman Sachs sieht die schnelle Entschuldung als weitgehend abgeschlossen an, und ein Teil des Kapitals kehrt nun in fundamental gestützte Segmente zurück.
F: Warum setzen Investoren den Fokus auf Speicherchip-Aktien?
Der Ausbau von KI-Rechenzentren erfordert nicht nur GPUs, sondern auch entsprechende Speicherchips wie HBM, DRAM und NAND. Die Preise für Speicherchips befinden sich weiterhin im Aufwärtstrend, DDR5- und DDR4-Preise haben neue Rekordhöhen erreicht. Das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dürfte mindestens bis 2028 bestehen bleiben.
F: Was ist die Investment-Logik bei Halbleiterausrüstungsaktien?
Der Ausbau der Chipproduktion führt zu höheren Investitionen in Fertigungsanlagen und damit zu steigenden Ausrüstungsaufträgen. Branchenführer wie ASML, Applied Materials und Lam Research zählen zu den Hauptprofiteuren dieses Ausbauzyklus. Solange der Ausbau von KI-Rechenzentren anhält, bleiben die Nachfragefaktoren für Ausrüstungsaktien solide.
F: Kann die Rallye im Halbleitersektor weitergehen?
Goldman Sachs nennt drei entscheidende Variablen: Ob Cloud-Anbieter (Alphabet, Meta, Microsoft, Amazon) ihre KI-Investitionen weiter erhöhen; ob Speicherpreise und Aufträge die Gewinnerwartungen stützen; und ob die Aufträge für Ausrüstungsaktien den weiteren Ausbau der KI-Rechenzentren bestätigen. Alle drei Faktoren sind essenziell.
F: Wie ist die Angebots-Nachfrage-Situation bei Speicherchips?
Das Angebot an Speicherchips bleibt knapp, da die Nachfrage aus KI-Rechenzentren fortlaufend Produktionskapazitäten für fortschrittlichen Flash und Speicher verdrängt. SK Hynix erwartet, dass die Nachfrage nach KI-Halbleitern im kommenden Jahr um 60 % bis 100 % gegenüber dem Vorjahr steigt. TrendForce prognostiziert für das dritte Quartal einen Anstieg der DRAM-Preise um 13 % bis 18 % und bei NAND um 10 % bis 15 %.




