
OpenAI plant, in den kommenden Wochen eine deutlich überarbeitete Version von ChatGPT zu veröffentlichen. Dabei soll es zu einem „Super-Programm“ ausgebaut werden, das die Programmierschnittstelle Codex und die Funktionen für KI-Agenten (AI Agents) integriert. Laut internen Informationen von OpenAI, die am 7. Juni von der Financial Times eingeholt wurden, sagte ein leitender OpenAI-Mitarbeiter offen: „Chat is dead“ (Chat ist tot) – ein Hinweis darauf, dass die klassische dialogbasierte KI die strategischen Ziele nicht mehr erfüllt.
Bestätigungsrichtung und strategische Neuausrichtung für die Super-App von ChatGPT
Laut den Bestätigungen von OpenAI und den dazugehörigen Berichten besteht die Kernrichtung des Updates darin, die Codex-Programmier-Tools und KI-Agenten (agent) in ChatGPT zu integrieren. So soll eine intelligente Einstiegsschnittstelle entstehen, die komplexe Aufgaben bewältigen und Drittanbieter-Tools verknüpfen kann – mit der Fähigkeit, etwa Programme zu schreiben, Daten zu analysieren und Kalendertermine zu planen, um nur einige der vielfältigen Aufgaben zu nennen.
Gleichzeitig schrumpft OpenAI deutlich den Fokus auf „Nebenaufgaben“: Das Sora-Video-Generierungsmodell wurde abgeschaltet. Zudem verließen der frühere Produktverantwortliche Kevin Weil und der Forscher Bill Peebles das Unternehmen nacheinander. Das Unternehmen betreibt eine strategische „Straffung“, um die Ressourcen für die Weiterentwicklung der Super-App-Transformation zu bündeln. Zuvor hatte Fast Company über die Super-App-Ambitionen von OpenAI berichtet; auch das Wall Street Journal wies im März darauf hin, dass dies eine wichtige strategische Wende darstellt – nachdem OpenAI seit 2025 zahlreiche eigenständige Produkte eingeführt hat.
Häufige Fragen
Bedeutet die interne Aussage „Chat ist tot“, dass OpenAI die ChatGPT-Dialogfunktion aufgeben wird?
Laut Berichten der Financial Times und den Bestätigungen von Sottiaux handelt es sich bei dem Update nicht darum, ChatGPT auf den Verzicht der Dialogoberfläche umzustellen. Stattdessen wird ChatGPT zu einer Super-App aufgewertet, die mehr Funktionen integriert. „Chat is dead“ ist laut OpenAI eine interne Formulierung, die auf eine Verlagerung des strategischen Schwerpunkts hinweist: gemeint ist „das Ende der reinen Tool-Ära für Gespräche“, nicht das Entfernen der Dialogfunktion. Die Dialogoberfläche der neuen Version von ChatGPT soll voraussichtlich weiterhin vorhanden sein, jedoch mit einer neuen Ausrichtung: vom Dialog-Tool hin zu einem allumfassenden Einstiegspunkt mit Handlungsfähigkeit.
Warum bringt OpenAI gerade vor dem IPO eine Super-App-Überarbeitung heraus?
Der kommerzielle Antrieb des Updates besteht darin, kostenlose ChatGPT-Nutzer in Richtung von kostenpflichtigen Funktionen wie Codex zu lenken. Ziel ist es, den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer (ARPU) sowie die Nutzerbindung zu erhöhen – zwei Kennzahlen, auf die die Wall Street beim IPO besonders achtet. Das Claude-Sortiment von Anthropic baut seine Präsenz in Unternehmenseinsätzen und im Markt für Softwareentwicklung weiter aus. Das erhöht den Zeitdruck für OpenAI, vor dem IPO die eigene Kommerzialisierungsfähigkeit weiter zu stärken.
Schließt die Abschaltung von Sora eine Aufgabe der Video-Generierungs-KI durch OpenAI ein?
Nach den bestehenden Berichten wurde das Sora-Video-Generierungsmodell als „Nebenaufgabe“ eingestuft und abgeschaltet. Das ist Teil einer strategischen Straffung bei OpenAI, die darauf abzielt, Ressourcen auf die Super-App-Route zu konzentrieren. Derzeit bestätigen die Berichte jedoch nicht, ob OpenAI die Richtung der Video-Generierungs-KI vollständig aufgibt oder lediglich die Reihenfolge der Investitionsprioritäten angepasst hat.