Früher war die chinesische Wirtschaft durch rasantes Wachstum gekennzeichnet, doch nun kündigt sie offiziell eine Abkühlung an. Angesichts der Deflationsgefahr und schwacher Binnenachfrage hat die Beijing-Regierung zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten das Wirtschaftswachstumsziel für 2026 auf unter 5 % nach unten korrigiert. Dieser Indikator, der den niedrigsten Wert seit 1991 markiert, bedeutet nicht nur das Ende der Ära des „Fünf-Prozent-Ziels“, sondern sendet auch ein deutliches Signal, dass die chinesische Regierung lieber das Tempo drosselt, um vorrangig die Branchen-„Innenkultur“ und tiefgreifende Strukturprobleme anzugehen.
(Vorgeschichte: Bloomberg: China stoppt Export von Benzin und Diesel „zur Sicherung des Binnenbedarfs“, da die Abhängigkeit vom Nahost-Öl 57 % beträgt)
(Hintergrund: New York Times enthüllt CIA-Geheimgespräch mit Huang Renxun, Tim Cook von Apple: Chinas Angriff auf Taiwan 2027, US-BIP könnte um 11 % zurückgehen)
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Die Hochglanz-Mythos des chinesischen Wirtschaftswachstums ist offiziell beendet. Auf der jüngsten Nationalen Volkskongress in Peking kündigte die Regierung an, das Wachstumsziel für 2026 auf 4,5 % bis 5 % festzulegen. Dies ist das erste Mal seit 1991, dass das Ziel unter 5 % fällt. Diese bedeutende Zahl signalisiert nicht nur die offizielle Anerkennung der Realität einer abkühlenden Wirtschaft, sondern markiert auch einen Wendepunkt in der Wirtschaftspolitik Chinas: vom früheren blinden Streben nach beeindruckenden Zahlen in eine Phase der „Neugestaltung“, bei der die tiefgreifenden inneren Probleme in den Fokus rücken.
Die jährliche Nationalversammlung im März im Volkskongress in Peking ist nicht nur ein politisches Großereignis, sondern auch ein Barometer für globale Investoren, die die Politik des zweitgrößten Wirtschaftsraums der Welt beobachten. In den letzten Jahren lag das Wachstumsziel Chinas konstant bei etwa 5 %, doch angesichts der schwierigen innen- und außenwirtschaftlichen Lage hatten Experten bereits eine Herabsetzung für dieses Jahr erwartet.
Neben der Reduktion des Wachstumsziels hält die chinesische Regierung die Zentralhaushaltsdefizitquote bei etwa 4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Experten weisen darauf hin, dass eine moderate Herabsetzung der Wachstumsprognose den politischen Entscheidungsträgern mehr Spielraum verschafft. Anstatt sich durch übermäßige Verschuldung unrealistische Expansionsziele aufzuzwingen, sollten sie sich auf die Lösung langfristiger struktureller Probleme konzentrieren. Dennoch bleibt Skepsis gegenüber den offiziellen 5 %-Wachstumsangaben im letzten Jahr. Einige Forschungsinstitute schätzen, dass das tatsächliche Wirtschaftswachstum 2022 möglicherweise unter 3 % lag.
Trotz des allgemeinen Abwärtstrends zeigt die chinesische Fertigungs- und Exportbranche weiterhin starke Leistungen. Im vergangenen Jahr verzeichnete China einen erstaunlichen Handelsüberschuss von 1,19 Billionen US-Dollar, während der Automobilkonzern BYD Tesla überholte und zum weltweiten Elektroauto-Marktführer wurde. Dank günstiger Kredite von staatlichen Banken kontrolliert China fast die Hälfte der globalen Produktion von Elektrofahrzeugen, Solarmodulen und Lithiumbatterien.
Doch die starke Abhängigkeit von der Fertigungsindustrie birgt Risiken. Überkapazitäten und der harte Wettbewerb zwischen den Unternehmen führen zu einer gefährlichen „Innenkultur“-Schleife. Firmen müssen ständig die Preise senken, um Marktanteile zu gewinnen, was dazu führt, dass „je mehr sie produzieren, desto weniger verdienen“. Die Gewinnspannen der Branche schrumpfen erheblich; gleichzeitig steigen die Handelskonflikte mit Europa und den USA durch die Massenexporte ins Ausland.
Um die Abhängigkeit von Fertigung und Export zu verringern, ist die Förderung des Binnenkonsums der einzige Ausweg. Doch genau hier liegt die größte Schwäche der chinesischen Wirtschaft. Der Immobiliencrash hat die Vermögenswerte der Bevölkerung stark geschmälert, während hohe Jugendarbeitslosigkeit und anhaltende Inflation das Verbrauchervertrauen stark beeinträchtigen.
Zur Bekämpfung der „Nicht-Konsum“-Problematik hat die Regierung kürzlich Subventionsprogramme eingeführt, etwa für den Austausch alter Haushaltsgeräte und Elektroautos sowie höhere Renten- und Kinderzuschüsse. Wirtschaftsexperten warnen jedoch, dass diese Maßnahmen nur Symptombehandlung seien. Chinas fehlendes soziales Sicherheitsnetz zwingt die Menschen, große Summen für zukünftige Gesundheits- und Rentenkosten zu sparen. Noch gravierender ist die langfristige Stagnation der Löhne. Wie Ökonomen sagen: „Wenn die Menschen kein Geld verdienen, wie sollen sie dann konsumieren?“
Das Herabsetzen des chinesischen Wachstumsziels für 2026 auf unter 5 % ist mehr als nur eine Zahl – es ist ein Symbol für eine Ära. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt befindet sich an einem schwierigen Scheideweg, auf dem sie vom alten Muster des niedrigen Fertigungs- und Infrastrukturwachstums zu einer „hochwertigen Entwicklung“ mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Hightech-Industrien wechseln will. Das Drosseln des Tempos mag für mehr Stabilität sorgen, doch bis China ein funktionierendes Sozialsystem aufbaut und die Löhne spürbar steigen, wird die Transformationsphase noch eine Weile andauern.